BERLIN - Die Stimmung war zunächst frostig bei den Obmännern und -frauen der fünf im Verkehrsausschuss vertretenen Bundestagsfraktionen. Ihnen war zugesagt worden, vor dem Krisentreffen mit Verkehrsminister Peter Ramsauer und Bahnchef Rüdiger Grube einen Bericht quasi als Grundlage für die Sitzung zu bekommen. Doch als um 10 Uhr am Donnerstag im Saal E 600 des Paul-Löbe-Hauses das Treffen begann, hatten nur Ramsauers-Mitarbeiter eine Vorlage geliefert.

Die Bahn versprach indes, den Bericht nachzuliefern. „Typische Informationspolitik der Bahn“, knurrte denn auch ein Teilnehmer. Zwei Stunden dauerte die Sitzung, sie endete ohne klare Erkenntnisse zu den Ausfällen der Klimaanlagen in den Zügen. Das Fazit der Teilnehmer fiel unterschiedlich aus, Einigkeit herrschte darüber, dass die Bahn Fehler gemacht habe.

Patrick Döring (Hannover), verkehrspolitischer Sprecher des FDP, sagte: „Herr Grube hat für die Deutsche Bahn AG sehr gut und sehr deutlich transparent gemacht, wie es zu den Vorfällen am vorvergangenen Wochenende kommen konnte und was die Bahn seither getan hat, um eine Wiederholung zu vermeiden. Herr Grube hat auch deutlich gemacht, dass es keine erkennbaren Wartungsversäumnisse seitens der Bahn gegeben hat. Hier erwarte ich allerdings, dass das Unternehmen diese Behauptung umfassend durch einen schriftlichen Bericht belegt, in dem die Entwicklung der Wartungsintervalle und der Wartungsaufwendungen über die letzten Jahre aufgeschlüsselt wird.“

Anders sieht es hingegen Uwe Beckmeyer (Bremerhaven), Verkehrsexperte der SPD: „Die Bundesregierung muss die Pläne zur Ausschüttung einer Dividende durch die Bahn in Höhe von einer halben Milliarde Euro stoppen. Die Bahn braucht das Geld für Investitionen in die Sicherheit der Fahrgäste und eine gute Infrastruktur. Wir begrüßen, wenn Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer sich positiv hinsichtlich notwendiger Änderungen an den Plänen äußert. Nun müssen aber auch Taten folgen.“

Beckmeyer forderte die Bahn auf, die Betroffenen der Ausfälle von Klimaanlagen in ihren Zügen großzügig und kulant zu entschädigen. „Wir fordern, dass die Nutzung der Servicehotline der DB AG künftig kostenlos ist. Es ist ein Unding, wenn Opfer für notwendige Informationen noch teuer zahlen müssen.“

Vor allem den Bahn-Kunden im Blick hat Michael Goldmann (Papenburg), Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Der FDP-Politiker nahm ebenfalls an der Sitzung teil: „Wir haben eine Bahn im Markt, die den Verbraucheransprüchen gerecht werden muss. Sie muss kundenfreundlicher werden. Wir werden deshalb Bahnchef Grube in unseren Ausschuss einladen, um zu hören, was das Unternehmen im Umgang mit den Kunden künftig vorhat.“ In der Vergangenheit seien Fehler gemacht worden. Die Hitzeopfer müssten „vernünftig entschädigt“ werden.