BERLIN - Fremdenfeindliche und rassistische Einstellungen in Deutschland gehen zurück. Zugleich nehmen aber Vorurteile gegenüber Obdachlosen, Behinderten aber vor allem Langzeitarbeitslosen zu.
Zu diesem Ergebnis kommt die am Donnerstag in Berlin vorgestellte Langzeituntersuchung „Deutsche Zustände“ des Bielefelder Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung. Demnach haben 56 Prozent der Befragten abwertende oder feindselige Einstellungen gegenüber Langzeitarbeitslosen.
Der Leiter des Instituts, Wilhelm Heitmeyer, führt dies darauf zurück, dass ökonomisches Denken alle Lebensbereiche durchdringe. Zwar habe die Angst vor Desintegration und prekären Lebensläufen erstmals nach Jahren abgenommen. Die Furcht vor sozialem Absturz sei aber trotz Wirtschaftsaufschwung gleich geblieben. Obgleich die Arbeitslosigkeit statistisch abgenommen habe, nehme die soziale Spaltung der Gesellschaft zu, so der Bielefelder Soziologe.
Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) nannte den Befund „bestürzend“. Vor allem in Ostdeutschland sei die „Angst vor denen da oben der Sorge gewichen, zu denen da unten zu gehören“. Der SPD-Politiker wies darauf hin, dass rechtsextreme Parteien und Gruppen gerade in den neuen Bundesländern diese Ängste gezielt für ihre Propaganda ausnutzten.
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte, die Studie sei „alarmierend“, weil sie aufzeige, dass nicht nur die Wirtschaft, sondern die gesamte Gesellschaft immer stärker ökonomisch bestimmt sei. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Rot warnte vor einer „inhumanen Ökonomisierung aller menschlichen Beziehungen“.
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