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NWZonline.de Nachrichten Politik

Viel Frust in der Pflege

17.01.2019

Berlin Schlechte Stimmung in der Pflege, explodierende Kosten: Die steigende Zahl der Pflegebedürftigen setzt die Fachkräfte immer stärker unter Druck und treibt die Beiträge in die Höhe. Bereits in den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Empfänger von Pflegeleistungen auf zuletzt rund 3,3 Millionen verdoppelt, und sie wird weiter wachsen – bis 2045 auf rund fünf Millionen Menschen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Prognos-Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Deshalb muss der Beitragssatz der Pflegeversicherung der Studie zufolge bis zum Jahr 2045 von 3,05 auf 4,25 Prozent steigen. Das wären für ein heutiges Durchschnittseinkommen fast 550 Euro mehr im Jahr, teilte die Stiftung mit. Eingerechnet dabei ist, dass es mehr Pflegekräfte geben soll und diese auch besser als heute bezahlt werden sollen.

Studienleiter Stefan Etgeton mahnte: „Zur nachhaltigen Sicherung der Pflege bedarf es zusätzlicher Maßnahmen.“ Neben besserer Bezahlung und Personalausstattung gehe es den Pflege-Beschäftigten vor allem um arbeitnehmerfreundlichere Bedingungen, den Ausbau und die Anerkennung ihrer Kompetenzen und um selbstbestimmtes Arbeiten.

  STIMMUNG HEUTE

Derzeit ist die Stimmung in der Pflegebranche eher pessimistisch. So beurteilten vergangenes Jahr etwa 29 Prozent der Befragten die Qualität der Pflege nur als „mangelhaft“ (2017: 24 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt der Care-Klima-Index, eine Umfrage unter Pflegekräften, Ärzten, Pflegebedürftigen, Angehörigen sowie Vertretern von Kassen und Verbänden.

„Es hat sich seit der letzten Befragung gezeigt, dass die Stimmung in der Pflege abgekühlt ist“, sagte die Leiterin des Forschungsprojekts, Stephanie Hollaus. Obwohl das Thema Pflege zuletzt viel diskutiert wurde, finden 74 Prozent der Befragten, dass dem Bereich in der Politik nicht ausreichend Beachtung geschenkt wird (2017: 69 Prozent). Auch die Arbeitsbedingungen werden von 60 Prozent als schlecht eingestuft (2017: 51 Prozent).

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, betonte, die Pflege stehe oben auf der Agenda – die bereits verabschiedeten Gesetze würden dies belegen.

  REFORMEN

Am 1. Januar war ein Maßnahmenpaket in Kraft getreten, das die Personalnot in der Pflege lindern sollte. Das Gesetz von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht unter anderem vor, 13 000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege zu schaffen. Außerdem sollen sich die Arbeitsbedingungen, die Vereinbarkeit von Arbeit und Beruf sowie die Bedingungen für die Pflege zu Hause verbessern. „Das war der erste notwendige Schritt“, sagte Westerfellhaus.

  REAKTIONEN UND KRITIK

Die Krankenkassen forderten ein Umdenken bei der Pflege-Finanzierung. „Die Einführung eines steuerfinanzierten Bundeszuschusses für die Pflegeversicherung wäre der richtige Schritt, um die Pflege in diesem Land gerechter zu finanzieren“, sagte Gernot Kiefer vom Vorstand des Kassen-Spitzenverbandes.

Die Grünen pochen darauf, dass sich alle Bürger nach ihren Möglichkeiten beteiligen und alle Einkommensarten herangezogen werden – durch eine Bürgerversicherung, sagte die Grünen-Pflegeexpertin Kordula Schulz-
Asche. Auch Linken-Chef Bernd Riexinger forderte ein neues Finanzierungsmodell, um die Belastungen nicht einseitig zu verteilen.

Als ein Fass ohne Boden sieht die pflegepolitische Sprecherin der FDP, Nicole Westig, die Pläne von Bundesgesundheitsminister Spahn. „Das umlagefinanzierte System ist allein nicht zukunftsfähig“, warnt Westig. Die FDP fordere zusätzlich den Aufbau einer kapitalgedeckten Pflegefinanzierung.

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