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NWZonline.de Nachrichten Politik

Amri-Kumpel ohne Alibi für Tatzeit

25.02.2019

Berlin Der nach Tunesien abgeschobene Freund des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri hat für den Abend des Anschlags kein wasserdichtes Alibi. Die Ermittler notierten am 20. Januar 2017, die bisherigen Erkenntnisse zu Bilal Ben Ammar könnten „eine Tatbeteiligung und/oder ein Mitwissen in Zusammenhang mit dem Lkw-Angriff am Breitscheidplatz vom 19.12.2016 bisher weder bestätigen noch ausschließen“. Dennoch wurde der heute 28-jährige Islamist zwölf Tage später in sein Heimatland Tunesien abgeschoben.

Bei seiner ersten Vernehmung hatte er angegeben, am Tattag in der Sprachschule und zu Hause gewesen zu sein. Doch das war falsch, wie eine Nachfrage in der Schule dann ergab. Dem Deutsch-Kurs war er am 19. und 20. Dezember 2016 unentschuldigt ferngeblieben. Später behauptete Ben Ammar, er sei krank gewesen. Doch auf seinem Smartphone entdeckte die Polizei ein Foto vom 19. Dezember, das den Weihnachtsmarkt in Berlin-Spandau zeigt.

Bekannt ist, dass er Amri am 18. Dezember 2016 traf – einen Tag bevor Amri in Berlin einen Lastwagen kaperte, damit auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz raste und zwölf Menschen tötete. Amri konnte nach dem Attentat nach Italien fliehen, wo er vier Tage später von der Polizei erschossen wurde.

Ben Ammar hatte sich in Deutschland unter verschiedenen Namen als Asylbewerber registrieren lassen und zahlreiche Straftaten verübt. Das geht aus dem Schreiben eines Beamten des Bundesinnenministeriums an eine Kollegin vom 16. Januar 2017 hervor. In der E-Mail geht es darum, dass Ben Ammar möglichst bald abgeschoben werden sollte. Der Tunesier war 2014 über Italien und die Schweiz nach Deutschland gekommen, er gab sich mal als Marokkaner, mal als Ägypter, mal als Libyer aus.

Wie die Polizei später herausfand, hatte Ben Ammar in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft mit Kindern Hinrichtungen durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nachgestellt. Das geht aus einem Vermerk des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor, den die dpa einsehen konnte.

Der Salafist hielt die Szene am 13. September 2016 in der Unterkunft in der Berliner Motardstraße in einem Video fest. Es zeigt den Angaben zufolge einen syrischen Jugendlichen, der an Händen und Füßen gefesselt und geknebelt auf dem Boden liegt und von einem Kleinkind mit einem Plastikschwert geschlagen wird. Die Ermittler notierten: „Danach forderte Ben Ammar das Kind auf, angsteinflößend zu brüllen, und zeigte, wie man einen „gefangenen Kriminellen des Assad-Regimes“ befragt, bis dieser seine Verbrechen gesteht.“ Zuletzt habe er an dem Jugendlichen eine Enthauptung imitiert. Der Spuk endete erst, als der Vater des Kleinkindes kam und einschritt.

Den Behörden war Ben Ammar durch Diebstähle, Rauschgiftdelikte und Sozialhilfebetrug bekannt. Außerdem stuften sie ihn als islamistischen Gefährder ein. Knapp eineinhalb Monate nach dem Anschlag, am 1. Februar 2017, wurde Ben Ammar nach Tunesien abgeschoben, wo seine Ehefrau mit den beiden gemeinsamen Kindern lebte. Die Bundesanwaltschaft teilte am Freitag mit, die Ermittlungen gegen ihn seien „mangels eines hinreichenden Tatverdachts eingestellt worden“. In Sicherheitskreisen heißt es laut „Tagesspiegel“ zur Begründung der Abschiebung, das Risiko sei zu hoch gewesen, dass er auf freien Fuß gekommen wäre. Das würde die Öffentlichkeit kurz nach dem Anschlag zurecht empört haben.

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