BERLIN - „Das ist reparabel.“ Franz Müntefering sagt es mehrfach – und es klingt, als spreche sich der SPD-Vorsitzende selbst Mut zu. Willy-Brandt-Haus, Montagmittag: Es gilt, das hessische Desaster so zu erklären, dass es nicht als Menetekel für das SPD-Spitzen-Duo, Parteichef Müntefering und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, erscheint.
Müntefering und der hessische Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel geben sich alle Mühe. Für Müntefering, dessen 100-Tage-Schonfrist im Amt Anfang Februar abläuft, ist Hessen die erste Wahl, die er seit seiner Rückkehr ins Vorsitzendenamt mitverantwortet. Wo ist der erhoffte „Münte“-Effekt geblieben? Er weicht der Frage aus. Es habe seit seinem Amtsantritt „einige Ereignisse gegeben, die mich nicht froh gestimmt haben“.
Gemeint sind Andrea Ypsilantis gescheiterter Anlauf zur Macht in Hessen, aber auch der Parteiaustritt von Ex-SPD-Vize Wolfgang Clement. Schon bald „sieht die Welt wieder ganz anders aus“, gibt sich der Vorsitzende zuversichtlich. Und Schäfer-Gümbel assistiert: Es sei „sehr verwegen“, aus dem hessischen Ergebnis einen Bundestrend ablesen zu wollen.
Allerdings: Auch bei bundesweiten Umfragen ist die Müntefering-Steinmeier-SPD abgeschlagen, erreicht weniger als 30 Prozent Zustimmung. Man habe „bisher noch nicht entscheidend aufholen können“, räumt der SPD-Chef ein. Und hofft erneut auf ein Wahlkampf-Wunder in letzter Minute wie im Jahr 2005: Damals, als die Union in Umfragen bei 48, 49 Prozent gelegen habe, bereits von absoluten Mehrheiten für CDU/CSU die Rede war – und am Wahltag selbst die SPD doch nahezu das Unionsergebnis erreicht hatte.
Hinter den verschlossenen Türen des SPD-Präsidiums hatte zuvor auch Kanzlerkandidat Steinmeier Optimismus beschworen: Es gebe keinen Grund, nach dieser Niederlage die Zuversicht aufzugeben. Das hessische Resultat sei eine Quittung für Ereignisse des Jahres 2008 gewesen. In das Jahr 2009 sei man ansonsten gut gestartet – nämlich mit Initiativen für das zweite Konjunkturpaket. In der Führungsspitze war man sich einig: Jetzt gelte es, den Blick nach vorn zu richten – vor allem auf die Bundestagswahl.
