BERLIN/WIESBADEN - Manfred Kanther gehörte einst zu den profiliertesten Innenpolitikern der CDU. Er brachte das Kunststück fertig, die schwache hessische CDU zu einem Kampfverband aufzubauen und sie bis nahe an die absolute Mehrheit heranzuführen. Jahre später stürzte er die Partei wegen des Schwarzgeldskandals in eine tiefe Krise. Am Dienstag wird er 70 Jahre alt.
Das wird kein Fest werden für den früheren Bundesinnenminister Manfred Kan-ther. Und man darf davon ausgehen, dass er auch nicht mehr gefeiert werden will. Denn der einstige innenpolitische Star der CDU hat sich nach den Prozessen um das Schwarzgeld mehr oder weniger aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Eingesehen hat er sein Fehlverhalten beileibe nicht, sondern sich damit entschuldigt, dass er es ja für seine Partei getan habe.
Man muss sich das in Erinnerung rufen. Ausgerechnet der Mann, der den Spitznamen „schwarzer Sheriff“ trug, der der Recht-und-Ordnung-Mann in Deutschland schlechthin war, hielt es dann mit dem Einhalten von Gesetzen nicht ganz so genau. Auch wenn ihm eine Freiheitsstrafe erspart blieb – für seine unrühmliche Rolle beim Verschieben von mehr als 20 Millionen DM des Parteivermögens in die Schweiz und nach Liechtenstein wurde der einstige Verfassungsminister im September 2007 zu einer Geldstrafe von 54 000 Euro verurteilt.
Der stets akkurat gescheitelt auftretende Politiker und Vater von sechs Kindern galt zuvor in der Landes- und Bundespolitik als glaubwürdige Verkörperung eines überzeugten Ordnungspolitikers. 1987 gelang es der hessischen CDU erstmals, im einst roten Hessen die Staatskanzlei in Wiesbaden zu erobern, Kan-ther wurde Finanzminister. Nach dem Machtverlust 1991 wurde Kanther Chef der Landespartei und der Landtagsfraktion. Als Rudolf Seiters 1993 die politische Verantwortung für den Tod des RAF-Terroristen Wolfgang Grams in Bad Kleinen übernahm und zurücktrat, wurde Manfred Kanther Bundesinnenminister.
Kanther profilierte sich als Vertreter einer harten Linie bei der Kriminalitätsbekämpfung. 1995 wagte er den Sprung nach Wiesbaden, verlor aber als Herausforderer des damaligen Ministerpräsidenten Hans Eichel. Nach der Niederlage von Helmut Kohl 1998 machte Kanther den Weg für Roland Koch als hessischer CDU-Chef frei. Und als im Jahr 2000 der Schwarzgeldskandal bekannt wurde, legte der konservative Politiker sein Bundestagsmandat nieder.
