BERLIN -
Redaktion Berlin
BERLIN - Das Drama um die Rütli-Schule im Berliner Problembezirk Neukölln im März dieses Jahres war der Auslöser. Damals hatte sich die Lehrerschaft mit einem Hilferuf an den Schulsenator gewandt, weil sie ihre Schüler, die zu 83 Prozent aus Zuwandererfamilien stammen, nicht mehr in den Griff bekam. Gewalt war an der Tagesordnung; Anerkennung gesellschaftlicher Werte dieser Gesellschaft – Fehlanzeige. Die Forderung nach einem Integrationsgipfel, von der CDU-Bundestagsfraktion im April ins Spiel gebracht, nahm Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf. Nun werden am 14. Juli im Berliner Kanzleramt rund 70 Vertreter gesellschaftlich relevanter Gruppen und der Zuwanderer zusammenkommen.„Drei Stunden lang wird im Plenum gemeinsam beraten“, kündigte gestern die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), an. Zuvor wird Merkel eine Stunde lang mit den Teilnehmern sprechen. „Der Integrationsgipfel wird keine einmalige Veranstaltung“, erklärte Böhmer. Er bilde vielmehr den Auftakt für einen Nachfolgeprozess, an dessen Ende etwa zum Jahreswechsel die Vorstellung eines nationalen Integrationsplanes stehen solle. „Dem Gipfel sollen klare Ziele, konkrete Maßnahmen und Selbstverpflichtungen folgen“, so Böhmer.
Angestrebt sei eine ganzheitliche Integrationspolitik, die sich am Grundsatz Fordern und Fördern ausrichte. Rund 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund lebten in Deutschland, sagte Böhmer. Etwa die Hälfte von ihnen habe bereits einen deutschen Pass. „Eine Vielfalt, die das Land bereichert“, lobte die Migrationsbeauftragte. Doch gebe es noch „erhebliche Defizite“ in den Bereichen Sprache, Bildung und Ausbildung sowie bei der Akzeptanz gesellschaftlicher Normen in Deutschland. Böhmer nannte als Beispiel die Themen Frauenrechte und Ächtung von Gewalt in der Familie.
Zum Gipfel sind neben Vertretern der Zuwanderer und Muslime auch Bund, Länder, Kommunen, Wirtschaft und Gewerkschaften, die Kirchen, Wohlfahrtsverbände, der Zentralrat der Juden sowie Einzelpersonen eingeladen, die sich bereits als „Brückenbauer mit Lotsenfunktion“ hervorgetan haben. Böhmer hofft, dass sich „alle aktiv einbringen. Dann wird gesammelt, gebündelt und vernetzt.“ Mit den Problemen der Muslime in Deutschland soll sich im Herbst zusätzlich ein Islam-Gipfel im Innenministerium beschäftigen.
