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Zweite Corona-Welle Hat Laut Ärzten Begonnen Betten sollen nach Bedarf frei gehalten werden

Stefan Heinemeyer Andreas Herholz

Berlin - Die von vielen befürchtete zweite Corona-Welle hat Deutschland nach Einschätzung des Ärzteverbandes Marburger Bund bereits erfasst. „Wir befinden uns ja schon in einer zweiten, flachen Anstiegswelle“, sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Johna der „Augsburger Allgemeinen“. Sie sei aber nicht vergleichbar mit den Zahlen von März und April. Dennoch steige die Zahl der Neuinfektionen. „Damit ist die Gefahr, dass wir die Erfolge, die wir bislang in Deutschland erzielt haben, in einer Kombination aus Verdrängung und Normalitätssehnsucht wieder verspielen“, warnte Johna.

R-Wert knapp über 1

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) zuletzt 879 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Die Reproduktionszahl lag bei 1,09 (Vortag: 1,11). Seit Beginn der Corona-Krise haben sich somit mindestens 211 281 Menschen in Deutschland mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. 9156 Infizierte sind demnach verstorben. Schätzungsweise 194 000 Menschen haben die Infektion überstanden.

Nach Ansicht des Marburger Bundes sind die Krankenhäuser auf eine zweite Corona-Welle vorbereitet. Anders als bei der ersten Welle sollen Krankenhausbetten diesmal nicht pauschal, sondern am Bedarf orientiert frei gehalten werden, sagte Johna. „Weil sich das Pandemiegeschehen langsam aufbaut, müssen wir für Covid-19-Patienten gestuft Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen, also eine zeitliche Staffelung der Vorhaltung einführen.“

Lob an Gesundheitsämter

Von den Gesundheitsämtern sind in der Corona-Krise rund 5900 zusätzliche Beschäftigte eingesetzt worden. Das geht aus einer neuen Umfrage des Deutschen Städtetags und des Deutschen Landkreistags hervor. 356 Gesundheitsämter in den Flächenländern hätten derzeit rund 13 900 Stellen mit Ärztinnen und Ärzten sowie nichtärztlichem Personal besetzt. Im Zuge der Corona-Pandemie hätten die Ämter weitere 5900 Beschäftigte eingesetzt, vor allem zur Kontaktnachverfolgung, für Corona-Tests und zur Kontrolle von Quarantäne. Träger der Gesundheitsämter sind die Landkreise und die kreisfreien Städte.

„Die Ämter sind deutlich besser ausgestattet, als in der öffentlichen Debatte zum Teil angenommen wird“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, gegenüber unserer Berliner Redaktion. „Die Gesundheitsämter sind derzeit stark gefordert, aber sie sind nicht überfordert“, betonte er. Der Personalbestand der Ämter sei kurzfristig durch zusätzliche Kräfte aus anderen Bereichen der Verwaltung ausgeweitet worden.

„Aber wir brauchen jetzt für die gesamte Dauer der Pandemie mehr Beschäftigte, um Corona so wirksam wie möglich zu bekämpfen“, sagte Dedy. Die finanziellen Zusagen des Bundes seien ein gutes Signal. Darüber hinaus müsse für mehr Ärztinnen und Ärzte auf dem Arbeitsmarkt gesorgt werden, forderte er. Dazu müssten die Länder rasch mehr Kapazitäten für die Medizinerausbildung schaffen. Bei der Ausbildung gelte es, stärker die Besonderheiten des öffentlichen Gesundheitsdienstes zu berücksichtigen.

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