Berne - Drei hochkarätige Vorträge sind im Rahmen der Berner Bücherwochen in dieser Woche in der Kulturmühle zu hören. „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen – Formen und Strategien von Rechtspopulismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ heißt das Thema von Dr. Thomas Praßer, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld.

In seinem Vortrag analysiert Praßer den Erfolg populärer rechter Denkschemata: Was versteht man unter Rechtspopulismus, auch in Abgrenzung von Rechtsextremismus? Was zeichnet rechtspopulistische Argumentationsweisen aus? Mit welchen Überzeugungsstrategien versuchen Rechtspopulisten, Stimmen zu fangen? Typisch sei etwa das Herstellen eines Wir-Gefühls („Wir sind das Volk“), Abwertung der „Anderen“, oder Ideologiefragmente wie „Wir hier unten“ und „Die da oben“.

Prasser ordnet die Rechtspopulismus-Debatte ein in Forschungsergebnisse zu latent vorhandenen rechtspopulistischen Einstellungsmustern in der deutschen Bevölkerung und deren Wurzeln in einer fortwährenden„Ideologie der Ungleichwertigkeit“.

Vorgesehen ist eine sich an das Referat anschließende Diskussion, in der aktuelle Themen wie die jüngsten Wahlerfolge der AfD, Rechtsruck in Europa oder das Phänomen Donald Trump erörtert werden können. „Arbeit macht frei – Protestantische Arbeitsethik und die Folgen“ – dieses Thema wird Klaus Thörner von der Universität Oldenburg am Samstag, 28. Oktober, ab 19.30 Uhr in der Kulturmühle erörtern. Unter anderem geht er der Frage nach, warum die zynische Parole „Arbeit macht frei“ auf den Eingangstoren der Konzentrations-, Arbeits- und Vernichtungslager Auschwitz, Dachau, Sachsenhausen und Flossenbürg prangt.

Anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation referiert der Oldenburger Historiker zu Ausformungen und Gründen einer spezifisch deutschen Arbeitsethik. Geprägt durch Luthers Unterscheidung von „verdienter“ und „unverdienter“ Armut einer- und „raffendem“ und „schaffendem“ Kapital, „ehrlicher“ und „unehrlicher“ Arbeit andererseits wurden Juden als „blutsaugende“ „Zinswucherer“ stigmatisiert. Thörner geht der Frage nach, inwieweit ein deutscher Arbeitswahn die Stigmatisierung und Ausgrenzung der Juden so unheilvoll befeuern konnte und wie er bis nach 1945 nachwirkte. Über „Martin Luther und die Juden“ spricht am Montag, 30. Oktober, ab 19.30 Uhr Professor Dr. Micha Brumlik aus Frankfurt.

Luther, in jungen Jahren ein Verfechter einer gewaltfreien Judenmission, wurde angesichts ausbleibender Erfolge mit zunehmendem Alter zu einem letztlich unerbittlichen Judenhasser, so Brumlik. In mehreren Schriften hetzte er gegen Juden und rief dazu auf, ihre Synagogen und Häuser niederzubrennen.

Dennoch verehrten viele Juden Luther – besonders liberale wie Franz Rosenzweig (1866-1929). In dem jüngst erschienenen Buch „Luther, Rosenzweig und die Schrift. Ein deutsch-jüdischer Dialog“, das Brumlik herausgegeben hat, wird dieser „Schizophrenie“ nachgegangen. Der Eintritt für alle Vorträge kostet jeweils 7 Euro (Schüler, Studenten, Auszubildende, Erwerbslose und Geburtstagskinder frei). Anmeldungen sind willkommen. Reservierungen und Informationen bei Reinhard Rakow ( t 04406/920046, oder berne-bringt@t-online.de).