Berne - Steht man in Berne auf dem schmalen Gehweg an der Langen Straße, kommt man schnell ins Gespräch mit Passanten. Und dann gibt es nur ein Thema: „Das ist lebensgefährlich hier“, meint eine Frau, die gerade eines der wenigen Geschäfte verlässt und die Straße queren muss. Auch in der Bäckerei ein paar Meter weiter ist man ganz schnell beim Thema „LKW auf der Langen Straße“. Die Hoffnung, dass es mit Fertigstellung der B 212neu besser wird, ist klein: „Lastwagen fahren weiter hier durch“, glaubt ein Mann beim Kaffeetrinken. „Hier wird nichts besser“, klingt er resignierend.

Dass es aber doch besser wird, daran arbeiten Politik und Gemeindeverwaltung seit langem. Zentraler Punkt der Sanierung des historischen Ortskerns ist die Lange Straße. Hier liegt aber auch der Knackpunkt: Während Verkehrsplaner und Sanierungsbeirat vehement für eine Gestaltung mit abgetrennten Gehwegen samt Borden plädieren, ist eine Gruppe Berner Bürger um Gisela Wenke genau gegen diese – und erhält durch viele Unterschriften signalisierte Unterstützung. Sie wollen einen niveaugleichen Ausbau mit farblich abgegrenztem Gehwegbereich.

Expertenrat ernst nehmen

Davon riet Stadtplaner Heinz Mazur vom Büro PGT Umwelt und Verkehr im Gemeindeentwicklungsausschuss vehement ab: „Sie haben hier eine Hauptverkehrsstraße, keine Anliegerstraße“, betonte er. „Fußgänger brauchen Führung und Rückzugsräume.“ Rund 3500 Fahrzeuge würden auch nach Umbau und Freigabe der B 212neu täglich durch die Lange Straße fahren – überwiegend keine Anlieger. Für die Sicherheit der Anwohner und Fußgänger sei ein durch ein Hochbord abgegrenzter Fußgängerbereich unabdingbar. „Ich kenne kein funktionierendes Beispiel für einen höhengleichen Ausbau bei vergleichbaren Verkehrszahlen. Wenn Sie niveaugleich ausbauen, machen Sie einen Riesenfehler.“

Die Barrierefreiheit sei, so Mazur, durch zahlreiche Querungsstellen sichergestellt, die durch ein taktiles Leitsystem aus Pflastersteinen mit einer speziellen Oberfläche auch für Sehbehinderte leicht zu finden seien. Gerade auch diesen Menschen böten Bordsteine eine wichtige Orientierung, um zu erkennen, wo die Fahrbahn beginne und besondere Vorsicht geboten sei.

Die Planung sieht vor, dass auf der Ostseite ein mindestens zwei Meter breiter, mit einem Hochbord (acht Zentimeter) gesicherter Gehweg entsteht, auf der westlichen Seite ein in Teilen schmalerer und durch niedrigere überfahrbare Rundborde gesicherter Weg.

In einer Sitzungsunterbrechung stritt Gisela Wenke weiter für einen niveaugleichen Ausbau und farbliche Abtrennungen, signalisierte aber auch: „Drei Zentimeter hohe Borde lasse ich mir gefallen.“ Mazur kam ihr entgegen und betonte, dass „so wenig wie möglich acht Zentimeter hohe Borde“ geplant würden.

Weitere – weniger strittige – Kernpunkte des Verkehrskonzepts sind:  Zwei (Mini-)Kreisverkehrsplätze – einer am Knotenpunkt Weserstraße/Lange Straße/Bahnhofstraße (von dem die Straßenbaubehörde nicht nicht überzeugt sei) und einer am Knotenpunkt Am Schulplatz/Lange Straße/Eichenstraße.  Tempo 30 an der nördlichen und südlichen Einfahrt in den Ortskern, im innerörtlichen Geschäftsbereich Tempo 20. Radverkehr auf der Fahrbahn. Eine Fahrgassenbreite von mindestens 4,50 Metern. Zwei Ausweichstellen für den Begegnungsverkehr von sechs Metern Breite mit absolutem Halteverbot.

Mazur riet dem Ausschuss auch, sich zunächst auf die Lange Straße zu konzentrieren. Bei der Weserstraße seien Verbesserungen bei der Geschwindigkeit auch mit einfachen Mitteln zu erreichen.

Weil die Fraktionen aber noch Beratungsbedarf sahen, trafen sie keine Beschlussempfehlung, Bis zum 18. Dezember haben die Kommunalpolitiker nun Zeit, sich eine Meinung zu bilden. Dann soll im Gemeinderat ein Beschluss her und damit der Startschuss zur Ortskernsanierung fallen. Mazur warb für einen baldigen Grundsatzbeschluss: „Packen Sie es an, damit Sie mit der Ausbauplanung beginnen können.“ Vermessungen und Abstimmungen nähmen noch geraume Zeit in Anspruch.

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)