Der Ultranationalist Tomislav Nikolic (55), Führer der Radikalen Serbischen Partei (SRS), hat eine Vision: Die in den 90er Jahren verlorenen serbischen Gebiete in Kroatien (Krajina-Republik) und Bosnien-Herzegowina (Serbische Republik) müssen „befreit“ und in einem „Großserbien vereint werden“. Der Beitritt seines Landes zu NATO und EU ist tabu. Serbiens Partner sind stattdessen Russland, China und die Länder der Blockfreien-Bewegung in Asien und Afrika. Sein Weltbild mit einer „Verschwörung des Auslandes gegen Serbien“ hat er von seinem Vorbild Vojislav Seselj übernommen. Seselj ist vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag angeklagt und für seinen Statthalter Nikolic „der größte Intellektuelle, den ich jemals getroffen habe“. Wie Seselj ist auch Nikolic mit seinen politischen Gegnern wenig zimperlich, die er schon mal als „Weicheier“ oder kroatische Faschisten

beschimpft.