Berlin - Sieger unerwünscht: Der FDP-Bundesparteitag lässt den Vorsitzenden der Liberalen in Niedersachsen, Stefan Birkner, bei der Wahl zum Präsidium durchfallen. Damit fehlt derjenige, der das absolut beste Landtagswahlergebnis für die FDP in der jüngsten Vergangenheit einfuhr. Besonders bitter für den Niedersachsen: Der neue FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner verhinderte mit seinen NRW-Delegierten im Rücken die Wahl Birkners, der aus seiner Freundschaft zum zurückgetretenen FDP-Chef Philipp Rösler kein Hehl macht. Gab es eine Sippenhaft für Niedersachsen?

Statt Birkner gehört der wenig bekannte Finanzexperte Volker Wissing (43) aus Rheinland-Pfalz dem FDP-Präsidium an. Wissing setzte sich mit rund 53 zu 47 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen Birkner durch. Die Präsidiumsriege komplettieren der baden-württembergische Landeschef Michael Theurer (46) sowie die Hamburger Landesvorsitzende und in Vechta geborene Katja Suding (37).

Unter den drei Lindner-Stellvertretern gilt der Schleswig-Holsteiner Wolfgang Kubicki (89,9 Prozent) als schillernste Figur. Nach seiner Wahl griff Kubicki sofort die SPD an. Zum Angebot der SPD-Führung, dem Liberalismus eine neue Heimat zu geben, sagte der 61-Jährige: „Ich finde es sehr lustig, dass sich Sigmar Gabriel und Olaf Scholz sozusagen als Erbschleicher an die Wähler der FDP heranmachen wollen. Wir leben noch, und wir werden sehr schnell und sehr stark dokumentieren, wie viel Kraft in der FDP steckt.“ An Kubickis Seite amtieren der wenig bekannte 49-jährige Thüringer Uwe Barth (87,3 Prozent) und die 55-jährige Düsseldorfer Kommunalpolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die ein enges Vertrauensverhältnis zu Lindner pflegt.

Gleiches wird der hessischen Bildungspolitikerin Nicola Beer (84,3 Prozent) nachgesagt. Die 55-jährige Übergangsministerin in Wiesbaden gilt in der Partei als weitgehend unbeschriebenes Blatt. Das kann man vom 73-jährigen Hermann Otto Solms nicht behaupten. Den ehemaligen Schatzmeister hoben die 660 Delegierten wieder mit einem Vertrauensbonus von 88,6 Prozent ins Amt. Der Letzte aus der alten Garde.