Jeverland - „Lasst uns nach vorn schauen, wir haben genug Aufgaben zu meistern“: Andreas Folkers wies in der Versammlung des Kreisverbands Jeverlands des Deutschen Roten Kreuzes am Dienstagabend mehrmals darauf hin, dass es sich nicht lohne, erneut über Vergangenes zu diskutieren.

Denn beim DRK lief es im vergangenen Jahr nicht rund: Zum Jahresanfang hatten 13 Mitarbeiterinnen des Pflegedienstes gekündigt und waren zu anderen Pflegediensten gewechselt. 23 Kunden nahmen sie mit. „Um dem DRK zu schaden“, sagte Vorsitzender Heinz Memmen in seinem Bericht. Die Mitarbeiterinnen hätten dem Kreisverband erheblichen finanziellen Schaden zugefügt, der nur durch rigorosen Sparkurs aufgefangen werden konnte.

Memmens Darstellung blieb nicht unwidersprochen: Siham El-Sirri, ehemalige Pflegedienstleiterin, reichte ein Schreiben des DRK-Vorstands an den Protokollführer weiter – „offenbar haben Sie das schon vergessen“, sagte sie in Richtung Memmens: In dem Schreiben steht, dass der DRK-Pflegedienst zu Jahresanfang von sich aus Kunden abgeben wollte, weil die Kapazitäten nicht ausreichten. „Es kann nicht sein, dass Sie uns als Übeltäter darstellen“, betonte sie und forderte Richtigstellung im Protokoll.

Der aktuelle Rechtsstreit des DRK Jeverland mit den ehemaligen Beschäftigten in der Notunterkunft an der Mühlenstraße spielte indes in Memmens Bericht keine Rolle. Stattdessen lobte er Landkreis, Städte und Gemeinden im Jeverland für die besonders gute Zusammenarbeit bei der Unterbringung der Flüchtlinge. Auch Kreisrätin Silke Vogelbusch spendete Lob für die „intensive Partnerschaft“ aller Beteiligten. „Natürlich gab es Auseinandersetzungen, aber wir haben jetzt den Punkt erreicht, an dem wir sagen sollten ,Schwamm drüber‘“, meinte sie.

Immerhin hat die Flüchtlingskrise dem DRK-Kreisverband Einnahmen beschert – ohne sie hätte Schatzmeister Hans Stümer kaum einen Gewinn erwirtschaften können, der nun in den Schuldenabbau fließt.

Stümer beklagte einen Mitgliederrückgang von 43,7 Prozent. „Wir müssen versuchen, Einnahmen zu generieren“, sagte er: „Uns fehlen Mitgliedsgebühren und Spenden.“

Dennoch stehen in diesem Jahr Investitionen in den Bereitschaften Sande, Jever und Schortens an. Die Bereitschaft Jever ist das teuerste Projekt, rund 100 000 Euro sind veranschlagt. Und offensichtlich sind sie dort auch dringend nötig: So beklagte ein Mitglied der Bereitschaft, dass es keinen Strom gebe und die Mitarbeiter abends im Dunkeln sitzen. „Wir leben dort auf einer Baustelle“, klagte er.

DRK-Urgestein Isis von Puttkamer appellierte in der Aussprache an alle Mitglieder, wieder die Werte von Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Miteinander ins Zentrum zu stellen. „Daran mangelt es leider“, bedauerte sie: „Alle sollten helfen, an unserem Image zu arbeiten und ein Wir-Gefühl zu erzeugen.“ Auch Andreas Folkers kritisierte, dass der Umgang miteinander nicht immer die „feine Art“ sei. „Wir sind die Guten. Es geht uns um den Menschen“, betonte er.