• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik

Linker Terror mit Hightech-Bombe

29.11.2019

Es ist ein kühler Morgen am 30. November 1989. Gegen 8.30 Uhr verlässt Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen sein Haus in Bad Homburg, um sich ins nahe Frankfurt fahren zu lassen. Begleitet von Sicherheitsleuten in zwei weiteren Limousinen rollt der Tross den Seedammweg entlang. Plötzlich ertönt ein lauter Knall. Mehrere Kilo Sprengstoff, deponiert auf einem Kinderfahrrad, gehen in die Luft. Die Bombe trifft den Spitzenmanager, der hinten im Auto sitzt, mit ungeheurer Präzision. Herrhausen stirbt am Tatort, sein Fahrer überlebt verletzt.

Zu dem Attentat bekennt sich kurz darauf die dritte Generation der Rote-Armee-Fraktion (RAF). Doch die Täter sind auch nach drei Jahrzehnten nicht gefunden. „Das Verfahren ist noch offen, die Ermittlungen dauern an“, sagt ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe.

Gerade über die dritte Generation ist weiterhin wenig bekannt. Sie kündigte „einen neuen Abschnitt in der revolutionären Strategie“ an. Es geht nicht mehr um die Befreiung Gefangener, sondern um Anschläge oder Sabotageakte. Auf ihr Konto sollen mehrere Morde gehen, so auch an Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts (1986) und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder (1991).

Führende Köpfe waren Wolfgang Grams und Brigitte Hogefeld. Grams begeht 1993 nach einer Schießerei mit der Polizei in Bad Kleinen (Mecklenburg-Vorpommern) Selbstmord. Hogefeld wird 2011 aus der Haft entlassen. Da hatte die RAF längst ihre Auflösung erklärt (1998).

Zum Attentat auf Herrhausen gehen in den vergangenen drei Jahrzehnten 1500 Hinweise ein. Die Bombe wurde mithilfe einer Lichtschranke gezündet. Vermutlich konnten die Täter – getarnt als Bauarbeiter – die Technik ungestört vorbereiten. Anfang der 90er Jahre sieht es nach einem Fahndungserfolg aus, als Sigfried Nonne, ein früherer V-Mann des hessischen Verfassungsschutzes, mehrere RAF-Mitglieder und sich selbst belastet. Doch die Widersprüche sind groß. Nonne, dem ein Gutachter massive psychische Störungen nachweist, widerruft zwischenzeitlich seine Aussage, um dann den Widerruf zurückzunehmen.

Herrhausen gilt seinerzeit als eine der gefährdetsten Personen in der Bundesrepublik - und war sich dessen durchaus bewusst. Bereits zu Zeiten der Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer hat er eine Erklärung verfasst, dass im Falle seiner eigenen Entführung, nicht auf entsprechende Forderungen eingegangen werden soll, wie seine Frau Traudl Herrhausen vor Jahren in dem Film „Black Box BRD“ berichtete.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.