Von Hergen Schelling

Frage: Im Streit um das Blindengeld hat die Landesregierung eingelenkt – sind Sie mit dem Kompromiss zufrieden?

Strodthoff: Ja. Es war nicht vorauszusehen, dass das Land sich noch bewegt. Und für unser Volksbegehren sah es zuletzt ja ziemlich schlecht aus. Wir brauchten 603 000 Unterschriften und hatten bisher 187 000. Das Ziel wäre kaum zu erreichen gewesen.

Frage: Ist die Unterschriftenaktion für das Volksbegehren jetzt vom Tisch.

Strodthoff: Für mich schon. Ich weiß nicht, ob der Landesblindenverband noch etwas plant.

Frage: Es soll künftig 200 bis 300 Euro monatlich für jeden Blinden geben. Reicht diese Summe aus zur Deckung der Mehrkosten, die Blinde durch ihre Behinderung haben?

Strodthoff: Dass die 409 Euro, die es früher gegeben hat, nicht wiederzubekommen sind, war mir klar. Was die jetzige Summe angeht, muss man differenzieren. Ich zum Beispiel habe eine Partnerin – andere müssen aber für Hilfe oder Vorlesen bezahlen, und da gehen 200 Euro schnell drauf. Aber immerhin: Es motiviert die Leute, sich wieder aus dem Haus zu trauen. Jetzt können sie sich wieder ein Taxi leisten.

Frage: Die Blindenorganisationen hatten seit mehr als einem Jahr vergeblich gegen die Abschaffung des Blindengeldes protestiert – was bewirkte jetzt die Kehrtwende im Sozialministerium?

Strodthoff: Es musste im Mai geklärt werden, ob das Volksbegehren angenommen wird. Das wollte das Ministerium wohl nicht und hat dafür die jetzige Lösung angeboten – und darauf hat man sich nun geeinigt.

Frage: Haben die Aktionen der Blindenvereine über dieses Ergebnis hinaus noch mehr bewirkt – zum Beispiel mehr Aufmerksamkeit für die Probleme der Blinden geweckt?

Strodthoff: Natürlich, unser Anliegen ist dadurch bekannt geworden. Die meisten Leute wussten ja überhaupt nicht, worum es geht. Das ist jetzt anders.

Frage: Und wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?

Strodthoff: Ich freue mich vor allem, dass ich für unseren Stand immer Helfer gefunden habe – das hatte ich so nicht erwartet. Eine Lösung hätte allerdings viel früher gefunden werden können. Der Widerstand hat viel Arbeit erfordert und auch viel Geld gekostet – aber er hat was gebracht.