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NWZonline.de Nachrichten Politik

Blutbad mit Langzeitwirkung

17.03.2016

Für die Welt war er eher eine Fußnote der Geschichte. Weil zu jenem Zeitpunkt das Völkerschlachten des Ersten Weltkrieges bereits zwei Jahre dauerte, fand der irische Osteraufstand von Dublin 1916 gegen die britische Herrschaft anfangs kaum Beachtung. Doch das einwöchige erbitterte Ringen vor bald hundert Jahren war die Initialzündung zum letztlich erfolgreichen irischen Unabhängigkeitskrieg 1919/21 und hat die Beziehung zwischen Irland und England bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts bestimmt.

Der Plan war zwar durch diplomatisch-konspirative Aktivität in den USA und im Deutschen Reich jahrelang vorbereitet, aber von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Den Anführern – darunter der Lehrer Patrick Pearse, der Dichter Joseph Plunkett (dessen Vater später irischer Außenminister war), der Gewerkschafter James Conolly und die Berufsiren Thomas Clarke und Sean McDermott – fehlte militärische Erfahrung, es mangelte an Waffen, und die Rückhalt in der irischen Bevölkerung war anfangs gering. So gesehen, war das Ganze ein nahezu selbstmörderischer Akt. Es spricht einiges dafür, dass zumindest Pearse­ und Plunkett das wussten und ihren Märtyrertod einkalkulierten, weil sie sich davon ein Fanal versprachen. Die Rechnung ging am Ende auf.

Als am Ostermontag 1916 (in dem Jahr der 24. April) rund 1000 Angehörige der Irish Volunteers und der Irish Citizen Army losschlugen, war die Überraschung auf ihrer Seite. Sie besetzten etliche Gebäude, darunter das später ausgebombte Hauptpostamt als Hauptquartier, scheiterten aber an der Eroberung von Dublin Castle. Die britischen Kommandeure hatten die Aktionen anfangs eher leichtgenommen, aber wohl auch Probleme mit der eigenen Organisation, weil die besten Einheiten auf dem Kontinent standen.

Brutaler Gegenschlag

Dann schlugen die Militärs zurück – mit eilig aus England geholten Truppen und einer Brutalität, die einen Wandel in der öffentlichen Stimmung bewirkte. Die Briten erstickten mit rund 5000 Soldaten den Aufstand binnen fünf Tagen in einem Blutbad, der Rest der Rebellen kapitulierte. Dass Premierminister Herbert Henry Asquith dem Oberbefehlshaber Sir John Maxwell per Telegramm untersagte, Frauen standrechtlich zu erschießen, zeigt die Erbarmungslosigkeit der Auseinandersetzung, der rund 500 britische Soldaten und 1000 Iren zum Opfer fielen. Das Telegramm rettete einer anderen Ikone der irischen Geschichte, der späteren Ministerin Gräfin Constance Markiewicz das Leben.

England hatte den Kurz-Krieg militärisch gewonnen, aber politisch verloren. Dafür sorgten die Militärs dann doch. Im Kilmainham-Gefängnis erschossen sie nach der Niederschlagung der Rebellion alle Anführer: Clarke, McDermott, Plunkett (der am Abend vor der Hinrichtung im Gefängnis seine Verlobte heiratete), Pearse und dessen eher unbeteiligten Bruder William gleich mit. Den verwundeten Conolly banden sie auf einen Stuhl und platzierten ihn so vor das Erschießungskommando. Maxwells Ablösung, ein klassisches Bauernopfer, brachte keinen Umschwung in der öffentlichen Meinung.

Währenddessen saß einer, der das alles vorausgeahnt und darum den Aufstand zu diesem Zeitpunkt hatte verhindern wollen, in einem Londoner Gefängnis: Sir Roger Casement, wegen seiner Verdienste um die Aufdeckung kolonialer Verbrechen im Kongo und am Amazonas geadelter Ex-Diplomat. Der Sohn eines Ulster-Protestanten und einer katholischen Irin hatte sich nach dem Abschied vom Außenministerium den Irish Volunteers angeschlossen. Als eine Art Schatten-Außenminister der virtuellen Irischen Republik war er 1914 nach Berlin gegangen, weil er einen Erfolg des Aufstandes nur bei abgestimmtem Angriff der Deutschen für möglich hielt. Doch er scheiterte mit der Aufstellung einer irischen Brigade aus britischen Kriegsgefangenen, mehr als 20 000 Gewehre wollte Kaiser Wilhelm II. nicht rausrücken – und selbst die wurden später abgefangen.

Casement landete als Vorauskommando mit einem deutschen U-Boot am Karfreitag in einer irischen Bucht – eigentlich mit dem Ziel, den drei Tage darauf startenden Aufstand zu verhindern. Er wurde schnell gefasst, nach kurzem Hochverratsprozess zum Tode verurteilt und trotzt Begnadigungsappellen unter anderem von George Bernard Shaw und Arthur Conan Doyle am 3. August im Pentonville Prison gehängt.

Staatsbegräbnis 1965

Es gibt einen Epilog. 1965 wurden Casements im Gefängnishof verscharrten Gebeine auf Drängen der irischen Regierung nach Dublin überführt und in einem Staatsakt beigesetzt. Die Trauerrede hielt der schon über 80-jährige Staatspräsident Eamon de Valera, der als Mitverschwörer von 1916 nur deshalb der Erschießung entgangen war, weil er aufgrund seiner Geburt die amerikanische Staatsangehörigkeit besaß und die Briten keinen Ärger mit den (zu dem Zeitpunkt ja erst noch erhofften) Bundesgenossen haben wollten.

Geschichte hat bisweilen einen Hintersinn für Ironie.

Michael Exner Autor
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