Springe - Der Bestand an Blutreserven in Niedersachsen und Bremen ist stark zurückgegangen. „Aktuell liegen wir bei 7000 Blutkonserven und können unsere Kliniken bei einigen Blutgruppen nur eingeschränkt versorgen“, sagte ein Sprecher des Blutspendedienstes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Zur Sicherung der Versorgung für alle Blutgruppen sei ein Mindestbestand von 10 000 Blutkonserven erforderlich, der optimale Bestand liege bei 16 000 bis 18 000 Präparaten. Der DRK-Blutspendedienst versorgt über seine Institute in Springe bei Hameln sowie in Dessau (Sachsen-Anhalt) mehr als 300 Kliniken in Niedersachsen, Bremen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Im Januar sei der Blutbedarf erfahrungsgemäß sehr hoch, da in den Kliniken die in den Feiertagen ausgesetzten Therapien nachgeholt werden würden. Wie im vergangenen Jahr fehle aber der Puffer für einen erhöhten Blutbedarf. „Im Dezember lag der tägliche Bedarf in unserem Versorgungsgebiet bei über 1900 Blutkonserven, im Januar liegt er bereits bei über 2100 Präparaten“, sagte der Sprecher. In beiden Monaten konnte bisher der Bedarf nicht gedeckt werden.

„Die Entwicklung der Spendenbereitschaft im vierten Quartal 2022 ist alarmierend gewesen“, betonte der Sprecher. Durch den deutlichen Spendenrückgang habe der DRK-Blutspendedienst über einen Zeitraum von bereits drei Monaten die Kliniken nicht voll versorgen können.

Seit Januar werde nun vielerorts in den Spendelokalen wieder ein Imbiss angeboten, das gemütliche Zusammensitzen nach der Blutspende sei wieder möglich. Aufgrund der Corona-Pandemie fehlte dieses Angebot an vielen Orten. „Wir wollen zurück zur Normalität, das Blutspenden soll wieder Spaß machen“, sagte der Sprecher. Das werde dann auch die Spendenbereitschaft erhöhen.

„Allgemein ist die Versorgungslage für Blutprodukte schon seit längerer Zeit angespannt“, sagte Niko Gerdau, Sprecher des Klinikums der Region Hannover (KRH). Bestellungen zum Auffüllen der Blutdepots in den Kliniken des KRH würden immer wieder nicht oder nur teilweise bedient. In Einzelfällen sei es dazu gekommen, dass Ärztinnen und Ärzte direkt beim DRK-Blutspendedienst anrufen mussten, um die Lieferung dringend benötigter Blutprodukte zu erwirken. „Es kann, insbesondere bei im Voraus geplanten Operationen, auch kurzfristig zu Verschiebungen kommen“, sagte der Sprecher. Notfalloperationen seien aber nicht betroffen.

Bei der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gibt es aktuell keine Versorgungsprobleme bei Blutkonserven, wie ein MHH-Sprecher mitteilte. In der Regel sei der Bedarf an Blutprodukten gedeckt, Engpässe seien aber nicht immer zu vermeiden. Insbesondere in der Sommerzeit sowie in besonderen Notlagen wie der Corona-Pandemie könne es dazu kommen. Diese Notlagen würden dann vor allem seltene Blutgruppen betreffen.

Bei der Universitätsmedizin in Göttingen (UMG) ist der Vorrat an Blutkonserven derzeit insgesamt sehr knapp. Anfang dieser Woche sei es etwas besser geworden, nachdem das DRK mehrfach in den vergangenen Tagen zu Blutspenden aufgerufen hatte, sagte ein Sprecher. Bisher mussten in Göttingen wegen Mangels an Blutkonserven noch keine Operationen verschoben werden. Insgesamt habe es 2022 weniger Vollblutspenden als im Vorjahr gegeben.