BöSEL - Es ist stürmisch am Dienstagnachmittag. Der Regen peitscht durch die Straßen Bösels. An ihrem Haus am Dorfrand wartet Doris Welker bereits an der Tür. Schnell winkt sie herein ins Warme und führt in ihr Zimmer, in dem sie bereits zahlreichen Menschen ihr Schicksal mitgeteilt hat.

Es hängt ein schwerer Parfümgeruch im Raum, gleich neben der Tür steht ein nussbrauner alter Schreibtisch. Kerzen tauchen ihn in ein behagliches Licht. Der Sturm draußen gerät hier schnell in Vergessenheit. Ob die Zukunft für die Gemeinde Bösel so aussieht, wie das Unwetter? Doris Welker wird es gleich erzählen. Die Wahrsagerin hat bereits auf ihrem Schreibtisch Tarotkarten, ihr Hilfsmittel, ausgebreitet. „Es wird keine Natur- und andere Katastrophen in Bösel geben“, weiß die 59-Jährige. Sie sieht für die nahe Zukunft der Gemeinde insgesamt eine gute Entwicklung.

Doris Welker ist von der Schicksalhaftigkeit der Dinge sehr überzeugt. Sie selbst kann die Dinge zwar vorhersehen, doch verhindern kann sie nichts. Sie gibt den Leuten, die mit ihren Problemen an die gebürtige Böselerin heran treten, viele Ratschläge. „Jeder muss dann auch selbst dafür kämpfen, dass es im Leben wieder bergauf geht“, weiß Welker aus ihrer Lebenserfahrung. Auch die Entwicklung Bösels wird nach dem Blick in die Karten nicht von allein eine positive Entwicklung machen. „Die zuständigen Herren müssen schon anpacken, damit die Entwicklung weiter gut voranschreitet“, meint sie mit Blick auf die Politiker vor Ort.

Die Zukunft Bösels sieht sie in dem Kulturprogramm wie die Euro-Musiktage und Besuchen von bekannten Künstlern. Eine besondere Karte bestätigt die positiven Aussichten für Bösel: „As der Stäbe“. Vor rotem Hintergrund verbinden sich gelbgoldene Stäbe: „Wenn diese Karte kommt, dann weiß ich, dass es nur gut werden kann“. Doch es sind nicht immer dieselben Karten, die für jeden Ratsuchenden aufgedeckt werden. Welker hat als Jugendliche über 800 Tarotkarten von ihrer Großmutter bekommen. Den passenden Stapel wählt sie je nach Gefühl für ihren Besucher aus. Dieser sitzt dann auf einem Stuhl mit hoher Lehne direkt neben ihr am Schreibtisch. Umgeben von Engelsfiguren aus Keramik fühlt sie sich in die Gefühlswelt des Ratsuchenden. Am Ende gehen die Menschen zumeist mit einem optimistischen Gefühl. „Es freut mich, wenn ich helfen kann“, meint Welker.