Bösel - Die Geburtsstunde der politischen Gemeinde Bösel schlug am 1. Mai 1876 – in diesem Jahr wird sie damit 140 Jahre alt. Bis dahin gehörte Bösel zu Altenoythe. Doch die Bestrebungen der Böseler Mitglieder im damaligen Altenoyther Gemeinderat um den Bauernvogt Hinrich Kurmann reichten bereits einige Jahre zurück.
Kirchlich war die Gemeinde bereits zum 1. Januar 1974 von Altenoythe getrennt worden. Und auch politisch könnten beide Gemeinden durchaus eigenständig existieren, argumentierten die Böseler Ratsleute. Die Altenoyther sahen das dagegen völlig anders, geht aus dem ersten Teil der Chronik der Gemeinde hervor. Hohe Kosten wurden ins Feld geführt, beide Gemeinden für sich seien nicht überlebensfähig.
Das Verwaltungsamt in Friesoythe jedenfalls stand einer Abspaltung Bösels positiv gegenüber. Die großen Moorflächen böten einen „bedeutenden Schatz“, der einer großen Zahl von Landwirten eine auskömmliche Existenz bieten könnte.
Am 2. März 1876 schließlich wurde das Gesetz erlassen, dass Bösel aus der Verbindung mit der Gemeinde Altenoythe herauslöste und ihr Eigenständigkeit zubilligte. In Kraft trat das Gesetz dann am 1. Mai.
Große Armut
Den genauen Grenzverlauf zwischen den Gemeinden ordnete der Großherzog von Oldenburg, Nicolaus Friedrich Peter, erst ein Jahr später. Die neue Gemeinde Bösel mit zu diesem Zeitpunkt rund 1100 Einwohnern hatte damit eine Größe von 104,61 Quadratkilometern.
In den 70er und 80er Jahren des 18. Jahrhunderts herrschte in vielen Gemeinden große Armut – nicht so sehr in Bösel. Die Schafzucht bescherte den Einwohnern einigermaßen Auskommen. „Die Heidschnucken lieferten auf den Tisch auch der ärmsten Familie Fleisch und Fett, und der Buchweizen (...) gab das Mehl her zu dem so herrlichen Buchweizenpfannkuchen“, heißt es in der Chronik. Eine Viehzählung aus dem Jahre 1892 belegte eine stattliche Anzahl von fast 6000 Schafen, dagegen 823 Rinder und 435 Schweine.
Wahlen durchgeführt
Angebaut wurde vor allem Roggen, nur vereinzelt Kartoffeln und Hafer, etwas Buchweizen auf dem Moor.
Mit der Eigenständigkeit wurde Bösel aufgefordert, Wahlen zum Gemeinderat und zum Gemeindevorsteher durchzuführen. Die Wahl fand in Rohens Wirtshaus statt. Die Listen der wählbaren und wahlberechtigten Gemeindemitglieder lagen in der Wohnung des Altenoyther Gemeindevorstehers Meyer und des Böseler Bezirksvorstehers Hinrich Kurmann aus. Wahlberechtigt waren 171 Bürger, 130 nahmen teil. Zum Gemeindevorsteher wurde der Zeller Bernd Meiners (48) aus Bösel gewählt. Er erhielt eine jährliche Vergütung von 180 Mark. Als er 1884 wiedergewählt werden sollte, wurde gleichzeitig die Kürzung seines Salärs auf 120 Mark beschlossen – letztlich Ursache dafür, dass Meiners im Jahr nach seiner Wiederwahl zurücktrag. Nachfolger wurde Johann Heinrich Bley (35).
Vorsteher gewählt
Installiert wurden auch Bezirksvorsteher, die die Bauernvögte ablösten. Die Gemeindevertretung wählte sie für die Dauer von vier Jahren. Sie übten die Ortspolizeigewalt aus und galten als Obrigkeit der Bauerschaft. Für die Gemeinde Bösel wurden Josef Hagen für Bösel und Hinrich Preuth für die Kolonie Petersdorf (Pferdeschloot) gewählt und bestätigt. Armenvater wurde Gerd Hinrich Lanfermann.
In der Sitzung des Gemeinderates im April 1880 wurde die Gemeinde in drei Bezirke unterteilt: Bösel, Osterloh, Petersdorf. Für alle drei Bezirke wurden auch Bezirksvorsteher gewählt.
