Bösel - Wohlbehalten ist die Kolpingfamilie Bösel von ihrem Jubiläums-Hilfstransport aus Litauen zurückgekehrt. Es war der 20. Hilfstransport der Böseler. In diesem Jahr waren 14 Personen mit einem Lkw und drei Begleitfahrzeugen insgesamt rund 3720 Kilometer unterwegs. Auch Pfarrer Stefan Jas­per-Bruns war dabei, er hat den Reiseweg mit dem Flugzeug zurückgelegt. Frank Linke, der zusammen mit Jürgen Dirks Litauenbeauftragter der Böseler Kolpingfamilie ist, sowie das Ehepaar Elisabeth und Helmut Drüding berichteten im Gespräch mit der NWZ vom Hilfstransport und ihren Eindrücken aus Litauen.

„Litauen ist für uns das ganze Jahr“, sagt Helmut Drüding. Es wird gesammelt, gepackt und organisiert. „Mit Frank Linke und Jürgen Dirks haben wir zwei starke Motoren, die alles gut koordinieren“, sagt er. Und dies nicht nur in Bösel, sondern auch vor Ort in Litauen. Hier haben beide ein gutes Netzwerk aufgebaut, so dass eine gute Koordination für die Verteilung der Hilfsgüter gewährleistet ist.

Viele Eindrücke haben die Helfer auf ihrer Fahrt gesammelt. „Die Woche in Litauen hat mir sehr viel gegeben, wir müssen weitermachen“, sagt Helmut Drüding bestimmt. Dort warten viele Aufgaben, und wir können vielen Familien helfen. Auch wenn Litauen inzwischen der EU angehört und den Euro eingeführt hat: Hier habe man die gleichen Probleme wie seinerzeit: Der Wert des Euro hat sich gegenüber der alten Währung verringert, es sei alles teurer geworden. „Die Schere arm und reich geht immer weiter auseinander“, sagt Drüding. Den einen geht es gut, den anderen schlecht – besonders auf dem Land sei das so. Die Häuser und Straßen sprächen Bände.

Erfreut haben die Helfer festgestellt, dass die Regierung die EU-Gelder auch sinnvoll wie zum Beispiel für die Infrastruktur oder die Schulbildung verwendet.

Ein Studium sei sehr teuer, Kinder aus der ärmeren Schicht hätten kaum die Möglichkeit dazu. „Dort gibt es kein BaFöG oder die Möglichkeit des zweiten Bildungsweges“, beschreibt Frank Linke. Ein weiteres Problem ist, dass die Jugend keine Zukunft dort sieht und das Land verlässt. „Jährlich wandern 20 000 bis 30 000 Einwohner aus“, sagt Linke – eine hohe Zahl, gemessen an der Gesamteinwohnerzahl von rund 2,8 Millionen.

Ziel des Hilfstransports war erneut die Gemeinde Miroslavas. Auf der Hin- und Rückfahrt wurde in Polen eine Übernachtung eingelegt. Ein Höhepunkt war am Sonntag in Kaunas die Mitfeier der heiligen Messe mit Papst Franziskus. Am Montag wurden die Familienpakete direkt bei den Familien abgeliefert. Hier konnten sich die Helfer von den Zuständen der Wege und der Häuser ein Bild machen. „Armut und Schicksale haben wir gesehen“ , sagt Elisabeth Drüding. Wie etwa das des sechsjährigen bettlägerigen geistig- und körperlich behinderten Jungen, der von der Familie getragen wurde. Besucht wurden ein Altenheim und Schulen. Unterstützt wurden die Helfer von einer engagierten Malteser-Gruppe.

Weiter ging es nach Kaunas, ein Abstecher führte in die Kurische Nehrung zur großen Sanddüne. Am Donnerstag wurde eine Messe mit Bischof Norvila aus Vilkaviskis gefeiert. In seiner Predigt sprach der Bischof der Böseler Kolpingfamilie seinen Dank aus. Er überreichte Frank Linke eine Medaille von Papst Franziskus und Pfarrer Stefan Jasper-Bruns einen Rosenkranz. Eine Gedenktafel am Pfarrheim wurde eingeweiht, anschließend ging es zum Empfang ins Rathaus.

„Wir werden weitermachen und weiterhelfen“, sagen alle drei. „Wir können hier vielen helfen und Gutes tun mit Dingen, die wir übrig haben“, sagt Helmut Drüding. Sie sehen die künftige Unterstützung auch als „Hilfe zur Selbsthilfe“. „Das Sortiment der Hilfsgüter werden wir überdenken und noch speziellere Dinge mitnehmen“, sagt Frank Linke. Die Vorbereitungen für den 21. Hilfstransport 2019 haben bereits begonnen.

Viele Helfer denken gerade in diesen Tagen des Jubiläumstransport an den verstorbenen Hans Meinerling. Er war der Ideengeber und Initiator der Böseler Litauenhilfe.