Bollingen - Unter dem Motto „Wo drückt der Schuh in den Pflegeeinrichtungen im Saterland“ hatte der CDU-Gemeindeverband Saterland jetzt zu einer Informationsveranstaltung in die Pflegeeinrichtung St.-Michael-Stift in Bollingen eingeladen. Verbandsvorsitzender Michael Steenken freute sich, rund 30 Interessierte, darunter Pfarrer Ludger Fischer, Pfarrer em. August Vornhusen und Kuratoriumsmitglieder begrüßen zu können.
Das Thema „Pflege“ sei in aller Munde und stehe jetzt auch wieder beim Kreistag auf der Tagesordnung. Um den Informationsaustausch zu verbessern, habe man sich entschlossen, in Einrichtungen hinein zu gehen und von der Basis zu hören, wo der Schuh in den Pflegeeinrichtungen drückt, so Steenken.
Heimleiter Gunnar Evers informierte über die Pflegeeinrichtung in Bollingen mit ihren Stationen und Wohnbereichen. Die Pflegeeinrichtung sah er sehr gut aufgestellt. Das St.-Michael-Stift sei zu 100 Prozent ausgelastet. Dort leben 114 Bewohner aller Pflegegrade für Langzeit-, Kurzzeit- und Verhinderungspflege, die von 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umsorgt werden.
„Aufgrund des demografischen Wandels, der höheren Lebenserwartungen und des medizinischen Fortschritts wird die Zahl der Pflegebedürftigen steigen und damit der Bedarf an Pflegeplätzen klettern. Der Fachkräftemangel wird weiter steigen“, betonte der Heimleiter. „Die Pflegeberufe sind unattraktiv, sie müssen ,sexy’ werden“, forderte Evers. Die Pflegeberufe würden in vielen Einrichtungen schlecht bezahlt, bedeuteten viel Stress und Hektik, körperliche Schwerstarbeit, Arbeitszeiten zu ungünstigen Zeiten, emotionale Anforderung und Belastungen sowie Arbeitsüberlastung. Dadurch leide dann auch die Pflegequalität. „Pflege passiert an 365 Tagen im Jahr und 24 Stunden am Tag. Pflege ist ein Knochenjob und muss materiell wertgeschätzt werden“, betonte Evers.
Auch das Pflegepersonalstärkungsgesetz, dass 13 000 neue Pflegestellen schaffen sollte, sei derzeit wirkungslos. Bisher seien erst 300 Anträge eingereicht worden, da sich die Antragstellung als Bürokratiemonster erweise, so Evers, der auch eine Verbesserung der Arbeits- und Ausbildungsbedingungen der Pflegeberufe als unabdingbar für eine Verbesserung der Situation sah.
Lösungsvorschläge sah er in der Einführung eines Tariflohn, der Erhöhung des Personalschlüssels, dem Unterbinden der Gewinnmaximierung von privaten Heimen, der Bereitstellung von mehr Geldern von Seiten der Politik für die Pflege, die Steigerung der Pflegequalität durch mehr Personal und die Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber. Zwar sei laut Evers weiterer Bedarf an Pflegeplätzen im Saterland gegeben, aber solange die Frage des Pflegefachkräftemangels nicht geklärt sei, mache es keinen Sinn, weitere Pflegeplätze zu schaffen.
