BONN - Kardinal Karl Lehmann (71) tritt nach 20 Jahren an der Spitze der katholischen Deutschen Bischofskonferenz aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig zurück. In einem Brief an die Bischöfe erklärte Lehmann seinen Rücktritt als Vorsitzender zum 18. Februar 2008, wie die Bischofskonferenz am Dienstag in Bonn berichtete. Sein Nachfolger soll Mitte Februar gewählt werden.
Lehmanns langjähriges Wirken und insbesondere sein Einsatz für den offenen gesellschaftlichen Dialog und das Miteinander der Religionen wurde von allen Seiten positiv gewürdigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bedauerte den Rücktritt. „Kardinal Lehmann genießt weit über die Grenzen der Katholischen Kirche hinaus hohes Ansehen“, sagte Merkel nach einem Telefongespräch mit Lehmann.
Die vierte sechsjährige Amtszeit Lehmanns wäre erst 2011 abgelaufen. Sein Amt als Bischof in Mainz wird Lehmann weiter ausüben. Er habe Ende vergangenen Jahres eine „lebensbedrohliche Krankheit“ gehabt, schrieb Lehmann den Bischöfen. Mit den Herz-Rhythmus-Störungen sei „eine Zäsur“ erreicht, die ihm „in Zukunft nicht mehr diese oft rücksichtslose Ausschöpfung“ seiner Kräfte erlaube. Deshalb mache er von der bereits im September 2005 bei seiner Wiederwahl angekündigten Möglichkeit Gebrauch, die Amtszeit nicht voll auszuschöpfen.
Im Namen der deutschen Bischöfe dankte der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz, Heinrich Mussinghoff (Aachen), Lehmann für seinen „unermüdlichen Einsatz“.
Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner, der in der Bischofskonferenz als konservativer Gegenpol zu Lehmann gilt, erklärte, dass es ihm inmitten großer Umwälzungen gelungen sei, mit den gesellschaftlichen Partnern im Gespräch zu bleiben und „dem Wort der Kirche“ Gehör zu verschaffen.
Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans Joachim Meyer, würdigte Lehmanns Amtsführung, seine „Grundsatzfestigkeit, seinen Realitätssinn und seine Bereitschaft zum Zuhören, zum Verstehen und zur Zusammenarbeit“.
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, hob Lehmanns Eintreten für die Ökumene hervor.
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