Bonn/Wilhelmshaven - Die Bundesnetzagentur hat den Weg geebnet für eine vierte deutsche Stromautobahn. Eine Gleichstrom-Verbindung zwischen Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sei erforderlich, teilte die Regulierungsbehörde am Dienstag in Bonn mit. Die Behörde hatte einen Vorschlag der Netzbetreiber geprüft. Diese wollten die zusätzliche Trasse von Heide in Schleswig-Holstein bis nach Altbach in Baden-Württemberg bauen. Die Netzagentur signalisierte zwar vorerst grünes Licht, ist aber für eine kürzere Strecke nur bis Nordrhein-Westfalen.
Zudem plädiert die Behörde für den Ausbau von Wechselstromverbindungen, also kleineren Leitungen. Nach einer Konsultationsphase will die Netzagentur bis Ende dieses Jahres final entscheiden über den sogenannten Netzentwicklungsplan. Es gilt als wenig wahrscheinlich, dass die Behörde doch noch gegen die vierte Trasse votiert.
Der Streckenkorridor für die neue Stromautobahn geht von Heide in Schleswig-Holstein über Wilhelmshaven bis nach Polsum und Hamm-Uentrop in Nordrhein-Westfalen. Ein „DC21“ genannter Abschnitt soll dabei von Heide über Wilhelmshaven nach Uentrop führen, ein „DC25“ genannter Abschnitt von Wilhelmshaven nach Polsum. Jede Verbindung soll eine Übertragungskapazität von zwei Gigawatt haben.
Die geplante Trassenführung
Der Grund für den Bedarf ist letztlich die Energiewende: Deutschland will raus aus der Atom- und Kohleverstromung und setzt stattdessen immer stärker auf Öko-Energieträger. Der Haken daran: Ein Großteil des Stroms entsteht im windreichen Norden, viele industrielle Großabnehmer sitzen hingegen im Süden und Westen der Republik.
Um den Strom dahin zu bringen, wo er gebraucht wird, sind bereits drei große Stromtrassen in Planung. „Suedlink“ geht vom südlichen Schleswig-Holstein bis ins württembergische Großgartach, „Suedostlink“ von Sachsen-Anhalt nach Bayern und „A-Nord“/„Ultranet“ (DC1) von Emden/Ost über NRW bis zum badischen Philippsburg.
Um die Betroffenen mit ins Boot zu holen, setzt die Netzagentur auf Dialog. Am Dienstag startete sie eine Konsultation des Netzentwicklungsplans. Bis Jahresende will die Behörde den Plan festlegen.
Wie teuer die neue Stromtrasse wird, ist noch nicht einschätzbar. Klar ist nur, dass es um Milliarden geht
