Bookholzberg - Das Langzeitprojekt „Informations- und Dokumentationszentrum Freilichtbühne Bookholzberg“ – kurz IDZ – nimmt endlich konkretere Formen an: Das jedenfalls befand Fraktionschefin Marion Daniel am Mittwoch nach einem Ortstermin der FDP-Fraktionen aus Gemeinderat und Kreistag, an dem auch Vertreter des IDZ-Fördervereins und des Arbeitskreises „Geschichtsort Stedingsehre“ teilnahmen. Letzterer befasst sich seit vielen Jahren mit der inhaltlichen Arbeit des geplanten Dokumentationszentrums.
Einen Dämpfer versetzte dem Optimismus der Gäste bei der Führung über das Gelände allerdings Perdita Engeler, Standortleiterin der INNtegrativ gGmbH, die Betreibergesellschaft des früheren Berufsförderungswerks Weser-Ems. Auf dessen Areal befindet sich die für das IDZ vorgesehene Immobilie, die sich bislang noch im Eigentum einer von der INNtegrativ-Geschäftsführung geleiteten Landesstiftung befindet.
Spieldorf wird abgesperrt
„Wir werden dieses Gelände ab dem Sommer brachliegen lassen“, kündigte Engeler an. Das gesamte Spieldorf, das 1935 bis 1937 als Kulisse für das NS-Propagandastück „De Stedinge“ genutzt wurde, werde abgesperrt und im Sinne eines „Leerstandsmanagements“ verwaltet. Ausgenommen seien einzig das Haus Nummer 21, in dem das IDZ unterkommen soll, sowie das benachbarte Gebäude Nummer 19, das so genannte Seminarhaus Ems, das bereits saniert ist und von der INNtegrativ für Schulungszwecke genutzt und vermietet wird.
Laut Perdita Engeler sind die in die Jahre gekommenen Gebäude des Spieldorfs für Ausbildungszwecke nicht länger nutzbar. Als letzte Nutzer zögen in Kürze die angehenden Kosmetikerinnen in eines der neueren Gebäude im oberen Bereich des Geländes um.
Ein Problem stellt nach Darstellung der Standortleiterin auch die Nutzung des Areals durch ungebetene Besucher dar. Spaziergänger mit Hund und spielende Kinder toleriere man gerne, aber auch Drogenkonsumenten würden sich regelmäßig zwischen den idyllisch gelegenen Gebäuden aufhalten. „Sobald wir Betriebsferien haben, entert das Dorf das Grundstück“, so Engeler. Insbesondere im Bereich der reetgedeckten Gebäude stelle das Rauchen ein Sicherheitsrisiko dar.
Von der Neuigkeit, dass sich die INNtegrativ aus dem Spieldorf zurückzieht, wurde auch Dietmar Mietrach, Vorsitzender des Fördervereins, kalt erwischt. „Eine Reanimation des gesamten Areals kann der Verein nicht leisten“, betonte er, wenngleich ein Konzept zur Umnutzung des Spieldorfs längst „in der Schublade“ liege.
Unterstützung aus Berlin
Es gelte eine Lösung zu finden, wie das Spieldorf und die wegen Baufälligkeit bereits gesperrte Tribüne vor dem Verfall bewahrt werden können, sagte Christian Dürr, Bundestagsabgeordneter der FDP aus Ganderkesee. „Es darf nicht verfallen, was dokumentiert werden soll!“ Dürr sicherte zu, sich zusammen mit seinen Bundestagskolleginnen Susanne Mittag (SPD) und Astrid Grotelüschen (CDU) auch in Berlin für das Projekt stark zu machen. Seiner Ansicht nach verfügt der Ort über kulturhistorische Bedeutung – die entscheidende Voraussetzung, um Denkmalschutzmittel vom Bund zu erhalten. Dürr gab aber auch zu bedenken, dass die künftige Nutzungsart wirtschaftlich tragfähig sein müsse. Klar in der Pflicht, die historische Substanz zu erhalten, sieht der Bundespolitiker auch das Land als Stiftungseigentümer.
Fördervereinschef Dietmar Mietrach, der in puncto IDZ schon häufig langen Atem bewiesen hat, ist weiterhin zuversichtlich. Er halte es für ambitioniert, aber keineswegs für ausgeschlossen, das Informationszentrum zum Museumstag im Mai 2020 zu eröffnen, sagte er .
Am Dienstag, 5. März, berät der Ausschuss für Bildung und Kultur der Gemeinde über das IDZ. Mietrach hofft, dass der Rat das Projekt in seiner Sitzung im Juni auf den Weg bringt und parallel auch der Kreistag eine positive Entscheidung fällt. Anschließend könnten die Ausschreibungen für die Sanierungsarbeiten erfolgen und im Herbst die Aufträge erteilt werden, so Mietrachs Vorstellung.
Außerschulischer Lernort
Großes Interesse am IDZ und an einer Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit des Ortes verzeichnet Mietrach schon jetzt von Schulen aus der Umgebung. Zudem sei die Idee entstanden, auch polnische Jugendliche einzuladen, das IDZ als außerschulischen Lernort zu erkunden. Für Arbeiten in großer Gruppenstärke eigne sich das Seminarhaus nebenan ideal.
Bevor es aber an die inhaltliche Arbeit gehen kann, muss die Gemeinde erst einmal Eigentümerin des Gebäudes werden und es sanieren lassen. Das Gutachten eines Architekturbüros liegt bereits vor. Zu den konkreten Kosten, die zum Teil durch Mittel des Landkreises, das EU-Förderprogramm „Leader“ und weitere Zuschüsse, gedeckt werden sollen, wollten sich die Ratsmitglieder noch nicht äußern. Die Zahlen sind Gegenstand der Ausschusssitzung.
