BOOKHOLZBERG - BOOKHOLZBERG - „Zwanzig Teilnehmer wären eine gute Resonanz gewesen, 40 sind eine hervorragende.“ Rolf Schütze, Leiter der regioVHS Ganderkesee-Hude, zeigte sich überrascht vom großen Interesse an einem Angebot seiner Bildungseinrichtung: Am Sonnabend, 12. Februar, soll der „Studientag Stedings-ehre“ Chancen bieten, sich lokaler, durch das NS-Regime geprägter Geschichte anzunähern. Alle 40 Plätze sind bereits vergeben. Schütze hat eine Warteliste angelegt und will in der nächsten Woche klären, ob weitere Plätze angeboten werden können.
Stoff zum Diskutieren gibt es genug: Sollte das Berufsförderungswerk (bfw) die „Kultstätte“, in der der Kampf der Stedinger bis zum eigenen Tod verherrlicht wurde und die ein Mosaikstein in der nationalsozialistischen Erziehungsarbeit war, der Öffentlichkeit zugänglich machen? Oder wäre dann ein Aufmarsch von Neonazis zu befürchten? Macht das von Dr. Gerhard Kaldewei (Stadtmuseum Delmenhorst) für Stedingsehre vorgeschlagene Dokumentationszentrum zur NS-Diktatur im Oldenburger Land Sinn? Wären ältere Bookholzberger bereit, über Erlebnisse zu berichten?
Einer von denen, die sich für den Studientag angemeldet haben, ist Hans Kragl, Kenner der Bookholzberger Geschichte. Er hoffe auf eine sachliche, nüchterne Diskussion, sagte der ehemalige Schulleiter zur NWZ . Zum Beispiel auch über die Stedinger und die Schlacht von Alten-esch: „600 Jahre wurde über die Stedinger nichts geschrieben“. Erst seit der Romantik, mit dem beginnenden Nationalbewusstsein, sei das anders. Seither habe jede Epoche das Thema für sich beansprucht, selbst in der DDR.
Kragl hatte das Schauspiel (das alleinige Aufführungsrecht hatte Hinrichs der Oldenburger NSDAP überlassen) als Zehnjähriger selbst erlebt. „Wir waren beeindruckt“, erinnerte er sich. Hinrichs habe, wie andere Dichter auch, einen historischen Anlass aufgegriffen und dichterisch verklärt. Das Stück sei schließlich von den Nationalsozialisten vereinnahmt worden.
Über das Thema Dokumenationszentrum sei auch schon im Orts- und Heimatverein Bookholzberg gesprochen worden, berichtete Kragl. Der Verein könne ein solches Zentrum sowohl aus finanziellen als auch aus personellen Gründen nicht bewerkstelligen. Norbert Raasch, Leiter des Berufsförderungswerkes, wies darauf hin, dass er auf dem bfw-Gelände zurzeit keine räumlichen Möglichkeiten für ein solches Zentrum sehe.
„Sehr optimistisch“ sieht Gästeführerin Anne-Grete Grummer dem Studientag am 12. Februar entgegen. Er könne helfen, auch mit älteren Bookholzbergern ins Gespräch zu kommen, die beim Thema Stedingsehre teils vorsichtig reagierten oder verschlossen seien. Die Zeit für die Diskussion über die Spielstätte sei gekommen.
Im Rahmen des Studientages referieren Gerhard Kaldewei, Dr. Michael Brandt (Oldenburgische Landschaft) und Norbert Raasch. Anne-Grete Grummer wird in der Mittagspause über das Berufsförderungswerk (das an diesem Tage Gastgeber ist) informieren und auch die frühere Spielstätte zeigen.
