BORNHORST - Wenn sie überhaupt nicht gebraucht werden, dann sind sie zufrieden: Die Rettungsschwimmer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) haben auch in diesem Sommer wieder die Aufsicht über tausende Badegäste übernommen. Auch am Strand des Kleinen Bornhorster Sees sind die Helfer in ihren leuchtend gelben T-Shirts im Einsatz.
Sie sitzen vor ihrem Einsatzhäuschen, scheinen entspannt. „Aber es ist immer eine gewisse Spannung“, sagt Iris Lindloge, die Wachleiterin an diesem Tag. Und tatsächlich schweift ihr Blick immer wieder kontrollierend über die Wasseroberfläche. Ab und zu nimmt die 38-Jährige das Fernglas zu Hilfe, wenn ihr etwas auffällt.
Natürlich kann Lindloge nicht stundenlang alles selbst im Blick haben. Darum ist sie und sind auch die anderen DLRG-Schwimmer nie allein am See. Drei oder vier der Retter sind stets gemeinsam vor Ort. Wenn möglich hat einer von ihnen die Berechtigung, das Motorboot zu führen.
Doch Bootsführer sind rar, an manchen Tagen muss die Flagge, die diese Idealbesetzung anzeigt, im Häuschen bleiben. Dann geht's im Notfall auf dem Surfbrett per Muskelkraft aufs Wasser. Praktisches Zubehör, um Ertrinkenden zu helfen, ist dann auch die klassische knallrote Rettungsboje, weltberühmt geworden in der Fernsehserie „Baywatch“. Die dramatischen Abenteuer der TV-Retter aus Malibu haben mit dem DLRG-Alltag am Bornhorster See allerdings nichts zu tun.
„Wir werden hauptsächlich gebraucht bei Schnittverletzungen am Fuß oder wenn ein Schlauchboot abtreibt“, erzählt Iris Lindloge und ist auch ganz froh darüber.
Wirklich lebensbedrohende Situationen sind ihr bislang nicht untergekommen, und dabei kann es aus ihrer Sicht auch bleiben. Sich mit einem Es-passiert-ja-eh-nichts-Gedanken zurückzulehnen ist aber trotzdem nicht drin. „Man muss immer aufpassen“, weiß auch Rettungsschwimmerin Janine Behrens. „Einmal habe ich etwas Blaues im See schwimmen gesehen. Ich bin hingefahren und habe dann aber nur eine Flasche entdeckt“, erzählt die 20-Jährige. „Es hätte aber auch ein Schwimmflügel sein können.“
Genau für dieses „hätte, wäre, wenn“ sitzen die Rettungsschwimmer vor ihrem Häuschen, halten die Augen offen und blicken hin und wieder in ihr Fernglas. Je nach Wetterlage und Besucherandrang wachen sie über den Kleinen Bornhorster See, an langen Tagen von 10 bis 20 Uhr – und das ehrenamtlich.
