Brake - Als „Armageddon“ wird in der Offenbarung des Johannes der Ort bezeichnet, an dem eine endzeitliche Entscheidungsschlacht stattfinden soll. Im erweiterten Sinne steht der Begriff als Schlagwort für eine alles zerstörende Katastrophe mit verheerenden Folgen für alle.
Unter dem Titel „Armageddon im Orient“ stellte jetzt der Nahostexperte Michael Lüders im Haus Borgstede & Becker des Braker Schifffahrtsmuseums die großen Zusammenhänge des Orients dar. Er folgte einer Einladung der Buchhändlerin Eleonore Gollenstede. Rund 45 Zuhörer fanden sich ein.
Viele Teilstücke
Die Lage im Orient sei für einen Außenstehenden nicht immer leicht zu verstehen. Wie in einem Mosaik gebe es viele Teilstücke. Diese würden erst in ihrer Gesamtheit ein Bild ergeben und eine angemessene Interpretation der politischen Lage ermöglichen, so der Politik- und Islamwissenschaftler, der als Publizist sowie Politik- und Wirtschaftsberater tätig ist.
Michael Lüders, Jahrgang 1959, hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Mosaiksteinchen zusammengetragen, zusammengesetzt und interpretiert. In seinen zahlreichen Veröffentlichungen über den Nahen Osten stellt er seine Ergebnisse vor. Kennzeichnend für seine Veröffentlichungen sind die deutliche und klare Sprache. Ohne Umschweife nennt er die Dinge beim Namen.
Externe Einflüsse
Um sich dem Nahen Osten anzunähern, müssen seiner Meinung nach vor allem zwei Dinge verstanden werden: zum einen die inneren gesellschaftlichen und politischen Strukturen der betrachtenden Länder, zum anderen die externen Einflüsse von Staaten, die in der Region Geopolitik betreiben. Zu nennen sind nach seinen Worten hier vor allem die USA, Russland und China.
In seinen Ausführungen skizzierte Michael Lüders zunächst die gesellschaftlichen Strukturen, die sich von denen westlicher Staaten unterscheiden. Deren Vorstellungen über eine geeignete Staatsform und Lebensform unter Wahrung der Menschen- und Freiheitsrechte ließen sich nicht ohne weiteres auf die Staaten des Orients übertragen, betonte der Nahostexperte. Zu sehr stünden gegenwärtige Machtansprüche und Sozialstrukturen in den Staaten des Orients der Etablierung eines demokratischen Staates nach westlichem Muster entgegen. Erschwerend kommt laut Michael Lüders die Geopolitik der Großmächte hinzu.
Diese Staaten würden ihre eigenen Machtinteressen verfolgen und hierbei mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen. Wie so oft gehe es um die Befriedigung eigener wirtschaftlicher Interessen, wie beispielsweise die Sicherstellung von Rohstoffen in Form von Öl und Erdgas. Hierbei scheuten die Großmächte auch vor dem Einsatz militärischer Gewalt nicht zurück, so Michael Lüders. Unter dem Deckmantel humanitärer Begründungsmuster würden die eigentlichen Absichten verschleiert und viele Menschen beruhigt, die es nicht gerne hören würden, wenn von Machtpolitik und der Durchsetzung von Interessen gesprochen wird.
Labiler Zustand
Die Kombination der internen und äußeren Faktoren habe im Nahen Osten zu einem labilen Zustand geführt, der bei unüberlegten und voreiligen Handlungen jedoch leicht zu einem Flächenbrand mit weltweiten negativen Auswirkungen führen könnte. Aus diesem Grund trägt sein Buch auch den Titel „Armageddon im Orient“.
Michael Lüders brauchte nicht viel, um seine Zuhörer zu bannen. Sein großes Faktenwissen und ein Mikrofon reichten aus, um sie in einen knapp 90 minütigen freien Vortrag in eine für viele nahezu unbekannte Welt eintauchen zu lassen.
