Barsinghausen - Bei einem Brandanschlag auf ein in Bau befindliches Flüchtlingsheim bei Hannover haben die Täter eine schwere Explosion auslösen wollen und die Feuerwehrleute in akute Lebensgefahr gebracht. Bei den Löscharbeiten in dem Rohbau in Barsinghausen stießen die Wehrmänner am Samstagmorgen auf mehrere geöffnete Gasflaschen, was zu einer Explosion hätte führen können, sagte ein Feuerwehrsprecher. Die Gasflaschen wurden ins Freie gebracht und dort gekühlt. Nach Angaben der Polizei entstand an dem Gebäude ein Schaden von 100.000 Euro, Menschen wurden nicht verletzt.

Die Kriminalpolizei geht von vorsätzlicher Brandstiftung in beiden Geschossen des Gebäudes aus, von den Tätern gab es zunächst keine Spur. Das Feuer wurde von einer vorbeifahrenden Frau entdeckt, die die Rettungskräfte alarmierte. Sowohl im Erdgeschoss als auch im Obergeschoss stieß die Feuerwehr auf brennendes Dämmmaterial. Im Erdgeschoss wurden sämtliche Fenster eingeschlagen, außerdem wurde ein Baucontainer aufgebrochen. Die Feuerwehr rückte mit 50 Rettungskräften und zehn Fahrzeugen an. Schwierigkeiten bereitete das gefrierende Löschwasser, das die Einsatzstelle in eine Eisfläche verwandelte.

Die Stadt Barsinghausen verurteilte den Anschlag und bekräftigte ihren Einsatz für Schutzsuchende. „Es bestärkt uns, weiter an unserem gesellschaftlichen Konsens zur Lösung der Flüchtlingsaufgabe zu arbeiten. Wir werden uns auch unter veränderten Rahmenbedingungen weiter dieser Aufgabe stellen“, erklärten der Erste Stadtrat Georg Robra und Bürgermeister Marc Lahmann. Kurzfristig trafen sich auch die Vertreter aller Parteien im Stadtrat. „Wir werden hier weiterhin im fraktionsübergreifenden Schulterschluss den Menschen Zuflucht gewähren“, hieß es. Bis Ende März hatte das Gebäude für 48 Menschen bezugsfertig sein sollen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) verurteilte den Anschlag. „Stellen Sie sich vor, Sie wären nach einer langen und gefährlichen Flucht endlich in einem Land angekommen, in dem Sie hoffen, Ruhe und Sicherheit zu finden. Und dann gibt es immer wieder niederträchtige Brandanschläge auf im Bau befindliche oder - noch schlimmer - bereits genutzte Flüchtlingsunterkünfte“, sagte Weil. „Ich schäme mich dafür, dass so etwas auch bei uns in Niedersachsen immer wieder passiert.“

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) kündigte eine harte Bestrafung der Täter an. „Der oder die Täter wollten das Gebäude vollständig zerstören, um zu verhindern, dass Menschen nach ihrer Flucht vor Krieg oder Verfolgung einen Ort der Zuflucht finden“, erklärte er. „Das ist widerwärtig und kaum in Worte zu fassen.“

Im vergangenen Jahr hatte es in Niedersachsen acht Brandstiftungen im Bereich von Flüchtlingsunterkünften gegeben. Barsinghausen grenzt an das Schaumburger Land, einem Schwerpunkt von Neonazis in Niedersachsen.