Bremen - Das Kalkül der Bremer CDU ist aufgegangen. „Über 70 Jahre SPD sind genug. Bremen kann mehr“, war die zentrale Wahlkampf-Botschaft, mit der die CDU erstmals seit Kriegsende stärkste Kraft wurde. „Wir haben den Regierungsauftrag. Ich will Bürgermeister werden“, schlussfolgerte Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder, der bis vor gut einem Jahr in der Politik und selbst der CDU de facto unbekannt war. Meyer-Heder ist Chef der IT-Firma „team neusta“, an dem die NWZ-Mediengruppe beteiligt ist.

Der Sieg ist errungen, die Macht nicht. Die CDU braucht Partner, setzt auf Jamaika und damit die Zustimmung der Grünen. Die sind Königsmacher und haben neben der Option Schwarz/Grün/Gelb auch noch eine andere: Rot/Rot/Grün.

Es könnte sein, dass die CDU auf ihrem Weg ins Rathaus an den Grünen scheitert. Das dürfte weniger an der CDU selbst liegen, sondern an der FDP. Mit ihr verbindet die Grünen eine herzliche Abneigung. „Programmatisch sind wir wirklich sehr weit von der FDP entfernt“, gibt Spitzenkandidatin Maike Schaefer zu bedenken. Als Beispiele nennt sie: Verkehrspolitik, Klimapolitik, nachhaltiges Wirtschaften.

Solche und andere Ziele mit der FDP per Koalitionsvertrag zu vereinbaren, das dürfte viel Verhandlungsgeschick brauchen. Mit der SPD regierten die Grünen zwölf Jahre und drei Legislaturperioden lang. Aus dieser Zeit ging die Partei gestärkt hervor, während für die Sozialdemokraten am Sonntag der Wahl-Albtraum wahr wurde.

Der stolze rote Stadtstaat von Wilhelm Kaisen, Hans Koschnick und Hennig Scherf – er droht den seit mehr als 70 Jahren regierenden Genossen zu entgleiten. Ob Bürgermeister Carsten Sieling es schafft, die Grünen wieder mit ins Boot zu holen, dürfte sich auch an den Linken entscheiden, die zwar für Rot/Grün/Rot an der Weser bereit stünden.

Aber auch hier haben die Grünen Bedenken, vor allem in puncto Finanzpolitik. Es wäre die erste Wahlbeteiligung der Linken in einem westdeutschen Land. Bei der Grünen-Wahlparty gab es am Sonntag zumindest deutlich mehr Applaus für ein Bündnis mit SPD und Linken.