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NWZonline.de Nachrichten Politik

Deutscher Ärztetag in Bremen: Lauterbach will bei Affenpocken 21-tägige Isolation empfehlen

25.05.2022

Bremen Zum Eindämmen der ersten Fälle von Affenpocken in Deutschland soll für Infizierte generell eine angeordnete Isolation von mindestens 21 Tagen empfohlen werden. Das sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Dienstag am Rande des Deutschen Ärztetages in Bremen. „In den frühen Phasen einer Epidemie muss hart und früh reagiert werden.“ Die Empfehlung sei zusammen mit dem Robert Koch-Institut (RKI) entwickelt worden. Auch Kontaktpersonen von Infizierten sollen 21 Tage in Quarantäne.

Affenpocken-Infektionen in mehreren Bundesländern

An der Pressekonferenz am Rande des Deutschen Ärztetages nahmen auch RKI-Präsident Lothar Wieler und Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, teil. Mehrere Bundesländer meldeten bereits Nachweise der Infektionen, darunter bislang Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Berlin und Bayern. Proben zahlreicher weiterer Menschen werden analysiert, zudem suchen Behörden nach Kontaktpersonen nachweislich Infizierter.

Auch wenn die weltweit erfassten Infektionen derzeit in erster Linie Männer betreffen, die Sex mit anderen Männern hatten: Eine Übertragung ist generell bei engem Kontakt und über kontaminierte Materialien möglich. Die Weitergabe über die Luft spielt – anders als etwa bei Corona – hingegen kaum eine Rolle.

Affenpocken: von milden Symptomen bis schweren Verläufen

Anfang Mai war ein Affenpocken-Fall in Großbritannien nachgewiesen worden – Experten zufolge kursierte der Erreger da aber wohl bereits in vielen Ländern. Das Virus verursacht nach Angaben von Gesundheitsbehörden meist nur milde Symptome wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und Hautausschlag.

Affenpocken können aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen, in Einzelfällen sind tödliche Erkrankungen möglich. Folgen einer überstandenen Infektion können Narbenbildung und selten auch Erblindung sein.

Lauterbach dringt darauf, die Ausbreitung schnell einzudämmen. Durch gute Kontaktnachverfolgung und Vorsicht könne dies in den Griff bekommen werden, sagte der SPD-Politiker. Er betonte zugleich, was man aktuell mit den Affenpocken erlebe, sei „nicht der Beginn einer neuen Pandemie“. Es handele sich um einen bekannten Erreger, und man wisse, wie man ihn bekämpfen könne.

Dennoch sei die Entwicklung sehr ernst zu nehmen. Es sei noch nicht bekannt, warum Ausbrüche international diesmal anders verliefen als in der Vergangenheit. Möglich sei, dass der Erreger oder die Anfälligkeit von Menschen sich verändert habe. Wenn Ausbrüche früh eingedämmt würden, könne man erreichen, dass sich der Erreger nicht bei Menschen einniste.

Fachkräftemangel in der Pflege

Zentrale Themen des Deutschen Ärztetags, der an diesem Dienstag in Bremen begonnen hat, sind Auswirkungen der Corona-Krise auf Kinder und ein drohender weiterer Fachkräftemangel im Gesundheitswesen. Ärztepräsident Klaus Reinhardt sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Corona-Pandemie verdeutliche, wie dünn die Personaldecke schon heute sei – in den Pflegeberufen genauso wie bei Ärztinnen und Ärzten in Praxen, Krankenhäusern und Gesundheitsämtern. Zudem stehe eine „enorme Ruhestandswelle“ insbesondere bei niedergelassenen Ärzten bevor. „Wir brauchen mindestens 15 Prozent mehr Studienplätze in der Humanmedizin, um die Versorgung stabil zu halten“, forderte Reinhardt.

Weiteres Thema der viertägigen Beratungen mit 250 Delegierten soll der ärztliche Versorgungsbedarf in einer „Gesellschaft des langen Lebens“ sein – also mit Blick darauf, dass es mehr Ältere mit tendenziell mehr Erkrankungen geben dürfte. Reinhardt sagte, verbessert werden müssten auch die Rahmenbedingungen ärztlicher Arbeit. Die Ampel-Koalition müsse Kommerzialisierung und unnötiger Bürokratie im Gesundheitswesen endlich den Kampf ansagen. „Sie hat die Ärzteschaft dabei an ihrer Seite.“

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz beklagte fehlende Transparenz in der Debatte über den Fachkräftemangel. Der Bedarf an medizinischem Personal dürfe nicht an der Zahl der Beschäftigten gemessen werden, sagte Vorstand Eugen Brysch. Vielmehr seien benötigte Vollzeitstellen entscheidend. „Doch genau hier fehlen valide Daten. Wer also mehr Beschäftigte fordert, muss genau diese Fakten liefern.“

Ärztepräsident kritisiert Corona-Kurs

Reinhardt äußerte sich vor dem Ärztetag kritisch zur Corona-Politik der Ampel-Koalition. „Innerhalb der Koalition gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen zum Umgang mit Corona, das führt zu einem Schlingerkurs und zu Verwirrung“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Dienstag). Zu Lauterbach sagte er, dessen Kommunikationsverhalten sei „mitunter doch recht merkwürdig“. Dabei verwies Reinhardt auf den Rückzieher des Ministers bei einer zunächst angekündigten Umstellung der Isolationspflicht für Corona-Infizierte auf Freiwilligkeit.

Zurückhaltend blickt Reinhardt auf die Regierungspläne zur Beschaffung von zusätzlichem Corona-Impfstoff für den Herbst – er argumentiert dabei auch mit der Unklarheit hinsichtlich möglicher neuer Virusvarianten. „Das ist nur sinnvoll, wenn diese Impfstoffe schon an die neue Virusvariante angepasst sind, also wirksamer sind als die bisherigen“, sagte der Ärztepräsident der „FAZ“. „Aber noch wissen wir nicht genau, was auf uns zukommt.“

Außerdem müsse erst einmal klar sein, dass weitere Impfungen einen tatsächlichen Vorteil bringen. „Zu den Viertimpfungen gibt es bisher widersprüchliche Studienergebnisse aus Großbritannien und Israel.“ Eine Strategie der Bundesregierung sieht nach Angaben Lauterbachs 830 Millionen Euro vor, um ein vom Hersteller Moderna angekündigtes Präparat zu beschaffen, das bei verschiedenen Varianten zugleich wirke.

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