Bremen - Die Bremer SPD will trotz ihrer Wahlschlappe nichts am Führungspersonal ändern. Bürgermeister Carsten Sieling wies vor einem Sondierungsgespräch mit den Grünen die Forderung nach seinem Rücktritt zurück. „Entscheidend ist, dass die Gremien, der Landesvorstand und die anderen, die hier stehen, mich beauftragt haben, die Verhandlungen zu führen“, sagte er am Donnerstag.
Der ehemalige SPD-Landeschef Dieter Reinken hatte am Mittwoch im Interview mit Radio Bremen Sielings Rückzug gefordert. Laut „Weser-Kurier“ will zudem der Abgeordnete Andreas Bovenschulte dem bisherigen Fraktionschef Björn Tschöpe den Posten streitig machen.
Die SPD steht unter Druck, weil sie bei der Landtagswahl am Sonntag erstmals in mehr als 70 Jahren von der CDU überholt worden ist. Sieling will trotzdem weiter regieren, müsste dafür aber die Grünen wieder für sich gewinnen und die Linkspartei mit ins Boot holen. Zugleich wirbt die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Carsten Meyer-Heder um die Grünen für ein Bündnis gemeinsam mit der FDP.
Grünen-Fraktionschefin Maike Schaefer legte vor dem Treffen mit der SPD die Messlatte hoch. Nötig sei ein „Signal des Aufbruchs“. Rot/Grün hat im kleinsten Bundesland zwölf Jahre lang regiert. „Wir kennen uns ja und kennen die Themen, aber wir haben uns auch noch hier und da kennengelernt“, sagte Sieling nach der Sondierung. Weder er noch Schaefer machten inhaltliche Angaben, es sei Vertraulichkeit vereinbart worden. Genauso hatten es auch CDU und Grüne nach ihrem Gespräch am Mittwoch gehalten.
Auf der Suche nach einer Regierungsmehrheit in der Bremer Bürgerschaft wollen die fünf Parteien an diesem Freitag jeweils zu zweit weiter sondieren. Für Montag sind Dreiertreffen der konkurrierenden Projekte Schwarz/Grün/Gelb und Rot/Grün/Rot geplant. Der Grünen-Vorstand werde der Basis am Mittwoch einen Vorschlag machen, mit welchen Parteien über eine Koalition verhandelt werden solle, sagte Landeschef Hermann Kuhn.
Am Donnerstagabend veröffentlichte die Landeswahlleitung das vorläufige amtliche Endergebnis. Die CDU bekam 26,66 Prozent der Stimmen, die SPD 24,94 Prozent. Die Grünen holten 17,42 Prozent der Stimmen, gefolgt von der Linken, die 11,32 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen konnte. 6,13 Prozent der Stimmen erhielt die AfD, 5,95 Prozent entfielen auf die FDP.
