Butjadingen - Kaum ein Thema ist in der jüngsten Vergangenheit in der Gemeinde so kontrovers diskutiert worden wie der mögliche Beitritt Butjadingens zum Unesco-Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer. Butjadingens Landwirte sind strikt dagegen, dass das Thema gemäß dem Antrag von SPD, CDU und Grünen, der noch immer im Raum steht, weiterverfolgt wird.
Nun scheint die Front derer, die diesen Antrag unterstützen, tatsächlich zu bröckeln. Die CDU sieht die Gefahr, dass die Bauern durch einen Beitrat zum Biosphärenreservat wirtschaftlichen Schaden nehmen. „Wenn das der Fall ist, werden wir den Antrag nicht länger unterstützen“, sagte Wilhelm Has, Vorsitzender der CDU-Gemeinderatsfraktion, am Freitag im NWZ -Gespräch.
Die Sorgen der Christdemokraten kommen nicht aus heiterem Himmel. Sie beziehen sich nach Auskunft von Wilhelm Has auf konkrete Hinweise darauf, dass ein Beitritt zum Biosphärenreservat den Wert der landwirtschaftlichen Flächen in Butjadingen mindern könnte – zumindest im Hinblick auf die Bewertung dieser Flächen durch die Banken. „Das würden wir auf keinen Fall mittragen“, sagt der CDU-Fraktionschef. Ohne die Stimmen der Union dürfte es indes eng werden für diejenigen, die möchten, dass die Gemeindeverwaltung zumindest weitere Informationen über das Thema Biosphärenreservat einholt.
Zu denen gehört Jürgen Sprickerhof, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Gemeinderat. Er glaubt weiterhin, dass der Beitritt zum Biosphärenreservat eine Chance darstellen könnte und dass es sich angesichts dieses Aussicht lohnt, weitere Informationen einzuholen. „Ich würde gerne weitermachen, aber ich sehe schwarz“, sagte Sprickerhof am Freitag angesichts der aktuellen Entwicklung.
Am Donnerstagabend hat der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats über das Thema diskutiert – hinter verschlossenen Türen. Die Sitzungen dieses Gremiums sind grundsätzlich nicht öffentlich. Vorm Rathaus hatten indes 25 Frauen sowie einige Junglandwirte Stellung bezogen, um deutlich zu machen, dass sie kein Biosphärenreservat wollen. Unter den Demonstrantinnen seien Frauen aus der Landwirtschaft, der Selbstvermarktung und dem Tourismus gewesen, berichtet Claudia Cornelius, auf deren Hof in Blexerwisch bereits in der vergangenen Woche Landwirte Argumente gegen ein Biosphärenreservat ins Feld geführt hatten (NWZ berichtete).
Die drei Butjadinger Landvolkvereine haben die Mitglieder des Gemeinderates für Montagabend zu einem Informationsaustausch ins Kachelstübchen in Burhave eingeladen. Die Sitzung ist nicht öffentlich. Der Termin für die Runde ist nicht zufällig gewählt. Am Donnerstag, 16. Juni, steht das Thema Biosphärenreservat auf der Tagesordnung für die letzten Sitzung des Gemeinderats vor der Sommerpause (ab 18 Uhr im Waddenser Butjenter). Im Vorfeld wollen sich die drei Fraktionen, die den Antrag gestellt haben, noch einmal beraten, wie Jürgen Sprickerhof und Wilhelm Has bestätigen.
