BRüSSEL - Der Schlagabtausch zwischen dem deutschen Vier-Sterne-General Egon Ramms und seinem US-Vorgesetzten, NATO-Oberbefehlshaber General John Craddock eskaliert weiter. Ramms, als Chef des NATO-Streitkräfteführungskommandos in Brunssum verantwortlich für die Internationale Schutztruppe Isaf in Afghanistan, hat sich einem heiklen Craddock-Befehl widersetzt.

Dessen Weisung sah vor, dass Isaf-Soldaten im Kampf gegen die afghanische Heroin-Mafia den Tod von Drogenhändlern und -produzenten in Kauf nehmen dürfen – selbst wenn unklar ist, ob diese aufständische Taliban unterstützen.

Zwar versucht man im NATO-Hauptquartier den pikanten Vorfall herunterzuspielen. In einer sehr knapp gehaltenen Formulierung des Pressestabes heißt es lediglich: „Niemand hat irgend jemanden gebeten oder angewiesen, etwas Illegales zu tun.“ Doch damit ist der auf höchster Ebene ausgetragene und recht ungewöhnliche General-Zoff nicht aus der Welt.

Die geheime Weisung des NATO-Oberbefehlshabers an Ramms und den Isaf-Kommandeur in Afghanistan, US-General David McKiernan, ist nach Informationen dieser Zeitung datiert vom 5. Januar. Darin heißt es, es sei „nicht länger nötig, Geheimdienst-Aufklärung zu betreiben oder zusätzliche Beweise zu erbringen, ob jeder der Drogenhändler oder jede Drogeneinrichtung in Afghanistan auch die Kriterien eines militärischen Zieles erfüllt“.

Der deutsche General ist offenbar nicht der einzige, der dem NATO-Oberbefehlshaber nicht zu folgen vermag. Auch der in Kabul stationierte Isaf-Kommandeur McKiernan stellt sich quer.

Bei Ramms’ Arbeitgeber, dem Bundesverteidigungsministerium, hält man sich sehr bedeckt. „Das ist eine NATO-Angelegenheit, die wir nicht kommentieren möchten“, sagte Sprecher Thomas Raabe. Berlin bleibe in Sachen Drogenbekämpfung seiner Linie treu. Danach lege jede Isaf-Nation selbst fest, wie sie vorgehe. „Deutschland tut es, indem wir die afghanischen Sicherheitskräfte unterstützen“, betont Raabe.