Brüssel/Berlin - Union und SPD erleiden bei der Europawahl historische Pleiten und verlieren Millionen Wähler an die Grünen. Diese lösen erstmals bundesweit die SPD als zweitstärkste Kraft ab. Für das Machtgefüge der Großen Koalition bedeutet das erneut eine schwere Belastung.
Eine große Rolle hat offensichtlich das Thema Klimaschutz gespielt: Die Grünen gewinnen von SPD und Union jeweils mehr als eine Million Wähler: nach einer Infratest-dimap-Analyse 1,37 Millionen von der SPD und 1,25 Millionen von der Union – vor allem junge Wähler. Unter den 18- bis 24-Jährigen machen 34 Prozent die Grünen zur stärksten Kraft. Jeder Zweite – auch in anderen politischen Lagern – ist laut Forschungsgruppe Wahlen der Ansicht, dass die Partei für eine „moderne, bürgerliche Politik“ steht. „Bei den Kompetenzen im Bereich Klimaschutz werden Union und SPD von den Grünen regelrecht deklassiert“, hieß es.
Europaweit sieht es für Christ- und Sozialdemokraten ähnlich düster aus, die Rechtspopulisten legen etwas zu. Deutliche Zugewinne verbuchen nach den ersten Trends Liberale und Grüne.
Seit Donnerstag waren 426 Millionen Menschen in den 28 EU-Mitgliedstaaten aufgerufen, ein neues Europaparlament zu wählen. Am Sonntagabend zeichnete sich die höchste Wahlbeteiligung seit Langem ab. Nach vorläufigen Berechnungen lag sie EU-weit bei 51 Prozent, in Deutschland bei 61,5 Prozent.
