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NWZonline.de Nachrichten Politik

EU will Marktführer aus Asien angreifen

13.02.2018

Brüssel Die EU will den Rückstand bei Batterien für Elektroautos aufholen. In der kommenden Woche soll der Startschuss für den Bau einer eigenen Fertigung gegeben werden. Bei einem Treffen in Brüssel sagten Vertreter der Mitgliedstaaten den Konzernen lukrative Gewinne voraus, wenn sie sich zu einer Batterie-Allianz zusammenfinden. Derzeit fahren 90 Prozent der E-Autos mit Produkten aus Fernost. „Diese Abhängigkeit können wir nicht länger hinnehmen“, sagte EU-Kommissions-Vizepräsident Maros Sefcovic am Montag in Brüssel. „Wir stehen vor der größten Veränderung der Automobil-Industrie“, betonte der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig.

Nach dem ersten Treffen der im Oktober 2017 neu gegründeten Europäischen Batterie-Allianz war die Industrie zunächst zurückhaltend geblieben. „Wir kaufen bei den besten Lieferanten – und die sitzen heute in Asien“, ließ sich BMW-Einkaufschef Markus Duesmannzitieren.

Die Angst vor den Investitionskosten einer eigenen europäischen Produktion (sie werden auf bis zu 20 Milliarden Euro geschätzt) ist groß, zumal diese Summen bei der derzeit noch geringen Zahl an Elektro-Fahrzeugen kaum wieder erwirtschaftet werden können. Bis 2022, so sagen interne Studien der Automobil-Wirtschaft, werde der Bestand an E-Autos kaum mehr als zwei Prozent betragen.

Das sieht die Brüsseler Kommission völlig anders. Bereits im Jahr 2025 seien 25 Milliarden Euro Umsatz zu erzielen, sagte Sefcovic am Montag. Machnig mahnte: „Wir wären blind und naiv, wenn wir glauben, dass wir langfristig immer die besten Batterien bekommen würden.“

Die EU-Kommission will mit einer Finanzspritze um die 200 Millionen Euro aus ihrem Forschungsprogramm „Horizon 2020“ den 80 Unternehmen, die sich nun zu einer Allianz bereiterklärt haben, unter die Arme greifen. Weitere Gelder könnten aus dem Strukturfonds kommen. Die Europäische Investitionsbank (EIB) versprach zudem am Montag, ebenfalls Kredite zur Verfügung zu stellen.

VW hat inzwischen angekündigt, rund zehn Millionen Euro in das Projekt Northvolt in Schweden zu investieren. Bis 2023 sollen dort Kraftpakete mit einer Gesamtleistung von 32 Gigawattstunden gebaut werden. Aber nur für Lkw – und das reicht nicht.

Nach Berechnungen der Kommission sind bis 2025 mindestens 330 Gigawattstunden nötig. „Wir brauchen einen großen Aufschlag“, hieß es. Die Rede ist von einer „Gigafactory“, ein Begriff, der offensichtlich vom E-Auto-Führer Tesla übernommen wurde, der gerade erst angekündigt hat, eine solche Riesenfabrik in der Wüste von Nevada zu bauen. Das lässt sich der US-Konzern rund 4,1 Milliarden Euro kosten. Dagegen hatte Daimler Ende 2015 sogar seine Batteriefertigung im sächsischen Kamenz eingestellt.

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