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NWZonline.de Nachrichten Politik

Zeit ohne Großmanöver geht zu Ende

11.11.2017

Brüssel Es ist der Albtraum vieler europäischer und atlantischer Militärs: Das Bündnis oder die Union müssen schnell Truppen innerhalb Europas verlegen. Das aber scheitert an der vorhandenen Infrastruktur. Die Straßen sind zu eng, zu brüchig für schwere Transporte, Brücken zu niedrig oder Gleise nicht tragfähig genug.

Vor Jahrzehnten gehörte der Test der militärischen Infrastruktur zu den Anforderungen, die bei Manövern geprüft wurden. Allerdings gab es auch negative Erinnerungen an die Zeit der großen Militärmanöver: Zerstörte Äcker, beschädigte Straßen. Deshalb hat die Allianz derartige Übungen inzwischen ins Labor oder den virtuellen Raum verlegt. „Echte“ Übungen waren zu teuer, zu ineffizient und auch politisch immer schwerer durchzusetzen.

Die aktuelle Erkenntnis der EU: Viele zivile Straßen sind für den Transport militärischer Technik nicht nutzbar. Straßen, Gleise und Flughäfen sind vielfach nicht mehr geeignet, um schnell militärisches Großgerät innerhalb der Union zu verlegen. Besonders bittere Erfahrungen, so hieß es in der Allianz, habe man bei der Stationierung von Truppen im Baltikum und in Polen gemacht. Für Panzertransporte ungeeignete Straßen hätten eine zügige Verlegung zumindest behindert und kostspielige Umwege nötig gemacht. Im Ernstfall ist das ein Nadelöhr, das für die Sicherheit der Gemeinschaft schweren Schaden nach sich ziehen würde.

Nun stehen Nato und EU vor einer Herausforderung, mit der niemand wirklich gerechnet hatte. Die Vorstellung, die EU wieder so aufzurüsten, dass sie militärischen Anforderungen genügt, dürfte zumindest in den westlichen Ländern kaum populär sein. Doch die Bedrohungsanalysen der Allianz – aber auch vieler östlicher EU-Staaten – untermauert das Bild möglicher Aggression aus dem Osten.

Und so werden die Länder, die sich am Montag zu einer europäischen Verteidigungsunion zusammenschließen, dieses Prestige-Projekt sicherlich ins eigene Aufgabenbuch schreiben. Zumal die grenzüberschreitende Kooperation dabei besonders augenfällig umgesetzt werden kann. Europa rüstet unübersehbar auf.

Brüssels Part in dieser Frage kann sicherlich nicht darin bestehen, nun neue Verkehrswege für militärische Schwertransporte zu bauen. Die Kommission sieht ihre Aufgabe nicht darin, neue Autobahnen zu bauen, sondern gemeinsame Standards zu entwerfen und die Mitgliedstaaten anzuhalten, vorhandene Verkehrswege nachzubessern sowie bei der Planung neuer Straßen den Bedarf der Militärs mit einzuplanen. Aber die Verwaltung der Gemeinschaft muss sehr wohl die Anforderungen an den Straßen- und Gleisbau so verändern, dass die Verbindungen für alle Zwecke geeignet sind.

Wie sich das mit der Idee von privaten Betreibern vereinbaren lässt, ist allerdings derzeit nicht erkennbar. Dennoch haben die Brüsseler Zentralen der Nato und der EU recht: Wer Verteidigung und Sicherheit ernst nimmt, muss auch eine Infrastruktur schaffen, die eine rasche Reaktion – also die schnelle Verlegung von schwerem Gerät – ermöglicht. Denn die Vorstellung einer hochgerüsteten Truppe, die nichts tun kann, weil ihre Geräte nicht unter Autobahnbrücken durchpassen oder die kilometerweite Umwege in Kauf nehmen muss, weil eine kleine Brücke zwar einen Pkw, nicht aber einen Panzer aushält, ist schon abstrus. Eine Armee braucht Schlagkraft.

Bei der EU sieht man die intensivere Kooperation der Staaten in Sachen militärischer Mobilität als eines jener Projekte an, die einen europäischen Mehrwert ergeben könnten. Vorausgesetzt, die Finanzierung lässt sich befriedigend klären. Bisher sehen Nato und EU nämlich die Länder in der Pflicht, was zu erheblichen Auseinandersetzungen führen dürfte.

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