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NWZonline.de Nachrichten Politik

Ratspräsidentschaft: Das Ende der deutschen EU-Krawatte

26.02.2020

Brüssel Brüssel ist kein Fan deutscher Krawatten, zumindest nicht einer speziellen deutschen Krawatte. Sie ist babyblau, hat kleine Ds in Deutschlandfarben eingestickt und war ein Geschenk anlässlich der letzten deutschen EU-Ratspräsidentschaft im Jahr 2007. Diese deutsche EU-Krawatte ist ein Hingucker, und ob man das nun im positiven oder negativen Sinne meint, hängt wohl davon ab, ob man gern schwarz-rot-goldene Buchstaben auf der Brust trägt oder eben nicht. In jedem Fall ist dieses kleine Accessoire mit Schuld daran, dass es solche Geschenke in Zukunft von deutscher Seite nicht mehr geben soll.

Eigentlich ist es Tradition, dass jedes Land, das im Europäischen Rat den Vorsitz übernimmt, an EU-Politiker, Mitarbeiter und Journalisten kleine Präsente verteilt: Für Männer gibt es Krawatten und – in modischer Hinsicht gilt in Brüssel ein starres Geschlechtermodell – für Frauen Halstücher. Manchen dieser Kleidungsstücke gelingt sogar der Sprung aus der Nische der kleinen netten Geste. Das rot-blaue kroatische Halstuch sorgte etwa in diesem Januar für viel Belustigung auf Twitter, als EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Generalsekretärin Ilze Juhansone im Partnerinnenlook auftraten.

Über die letzte deutsche Präsidentschaftskrawatte hingegen schweigt das Netz beharrlich. Das mag daran liegen, dass 2007 einfach schon recht lange her ist – oder daran, dass sich die Begeisterung bei den Beschenkten in Grenzen hielt. „Nachdem unsere Krawatte 2007 nicht unbedingt modische Maßstäbe gesetzt hat und dann doch eher im Schrank liegen geblieben ist, sollten wir vielleicht jetzt einfach ehrlich sein und die Krawatten anderen Präsidentschaften überlassen“, scherzt Michael Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt.

Und so soll es nun auch kommen: Wenn Deutschland in diesem Juli den Vorsitz im EU-Rat übernimmt, werden keine Krawatten und keine Halstücher verteilt werden. Die Entscheidung hat noch einen weiteren, etwas ernst gemeinteren Grund: Deutschland wolle seinen Vorsitz auch nachhaltig gestalten, erklärt Roth: „Es ist inzwischen ja auch so ein bisschen Usus geworden, auf den großen Präsenttisch zu verzichten.“

Ebenfalls verzichten will Deutschland auf finanzielle Unterstützung von Sponsoren aus der Wirtschaft. Ausgenommen von dem Verzicht sollen nur kleine regionale Anbieter sein. Sprich: Auf die ein oder andere Praline, vielleicht auch auf ein Gläschen deutschen Honig oder Marmelade, darf man sich in Brüssel trotzdem freuen. Es gehe auch darum, die Vielfalt Deutschlands zu zeigen, erklärt ein Sprecher der deutschen EU-Vertretung. „Diese Vielfalt äußert sich auf verschiedene Weise, unter anderem kulinarisch. Das ist auch Werbung für Deutschland als Tourismusland.“

Nur die Krawatte – die wird künftig eben nicht mehr für Deutschland werben. Blickt man ins Ausland, sieht man aber schnell, dass die Liebe zur Präsidentschaftskrawatte andernorts ungebrochen ist: Kroatien etwa, das nicht nur aktuell erstmals den Vorsitz innehat, sondern sich zudem als Herkunftsland der Krawatte versteht, hat groß aufgefahren: Mehrere Tausend Exemplare sind bereits verteilt worden. In den vergangenen Monaten haben Kroaten darüber hinaus Statuen und Denkmäler in verschiedenen EU-Ländern mit übergroßen roten Krawatten dekoriert, um ihren Ratsvorsitz zu feiern.

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