BRüSSEL - BRÜSSEL - Die Angst vor Klimawandel, wachsender Ölabhängigkeit und steigenden Benzinpreisen lässt die Nachfrage nach Biosprit weltweit in die Höhe schnellen. Vor den Schattenseiten dieser Euphorie warnen Umweltorganisationen und die Grünen im Europaparlament. „Der zunehmende Verbrauch von pflanzlichen Treibstoffen gefährdet die globale Lebensmittelsicherheit“, sagt der grüne EU-Abgeordnete und Agrarexperte Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf.

„Essen oder Tanken“ nennen die Grünen ihre Kampagne gegen die Risiken des Biosprit-Booms. Um die wachsende Nachfrage zu stillen, beanspruchen die Europäer nach Berechnungen des Wuppertal-Instituts bereits heute etwa 20 Prozent mehr Anbauflächen, als ihnen in der Europäischen Union tatsächlich zur Verfügung stehen. „Weltweit gibt es nicht genügend Flächen, um die gewaltige Nachfrage nach Biokraftstoffen zu decken“, sagt BUND-Expertin Reinhild Benning.

Unaufhörlich wachsen etwa in Lateinamerika die Anbauflächen für Soja, Raps, Palmöl und Zucker zur Herstellung von Bio-Ethanol, riesige Mais-Anbauflächen dienen der Gewinnung von Biogas. Vor allem in Brasilien sind die Folgen katastrophal. „Die Abholzung von Regenwäldern, um Flächen für den Anbau von Energiepflanzen zu gewinnen, steht im Widerspruch zu den Klimazielen“, sagt die grüne EU-Politikerin Rebecca Harms. Je mehr „Kraftstoff vom Acker“ gewonnen werde, so die eindringliche Warnung von Umweltorganisationen, desto prekärer entwickele sich die Ernährungslage in Dritte-Welt- und Schwellenländern.

Wie hoch die Erwartungen an Biokraftstoffe auch in der EU sind, zeigte der Beschluss der Energieminister vom vergangenen Donnerstag. Danach soll jeder EU-Staat den Einsatz von Biokraftstoffen bis zum Jahr 2020 auf bis zu zehn Prozent steigern. Große Hoffnungen setzen die EU-Regierungen dabei in Biokraftstoffe der zweiten Generation, die vornehmlich aus pflanzlichen Abfällen gewonnen werden sollen. Eine Technik, die nach Angaben von BUND-Expertin Reinhild Benning zurzeit allerdings überhaupt noch nicht ausgefeilt ist.

Beim jüngsten Kompromiss der EU-Kommission zur Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes für europäische Neuwagen auf 120 Gramm je Kilometer ab 2012 spielen Biokraftstoffe ebenfalls eine entscheidende Rolle. Während die Autoindustrie den durchschnittlichen C02-Ausstoß durch verbesserte Motorentechnik per EU-Gesetz auf 130 Gramm senken muss, soll die Beimischung von Biosprit weitere 10 Gramm C02-Einsparung erbringen. Anstatt auf das Allheilmittel Biosprit zu setzen, dringt der BUND auf eine noch effizientere Automobiltechnik.