BRüSSEL - EU-Kommissar Günter Verheugen wehrt sich gegen Vorwürfe, die EU ermögliche Unternehmen versteckte Preiserhöhungen.

Verbraucherschützer hatten beanstandet, dass in Deutschland immer wieder Hersteller bei den Packungsgrößen schummelten: weniger Inhalt bei gleichem Preis. Möglich gemacht habe dies die EU, die nach und nach die Vorschriften für Fertigpackungen abgeschafft habe, zuletzt im April 2009. Beispiele dafür, dass das zu Lasten der Verbraucher gehe, veröffentlicht die Verbraucherzentrale Hamburg regelmäßig auf ihrer Internetseite.

Doch, so sagt Verheugen, nur 16 der von den Verbraucherschützern aufgelisteten Produkte seien „grundsätzlich vom Anwendungsbereich der entfallenen Richtlinien erfasst“ worden – etwa Tiernahrung, Haushaltsreiniger und Kosmetika. Und selbst bei den meisten dieser Produkte sei kein Zusammenhang mit dem Wegfall der EU-Verordnung zu erkennen.

Den Verbraucherschützern jedoch geht es ums Prinzip. „Wir brauchen Standardgrößen in der EU“, sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Bekannte Verpackungsgrößen, an die sich die Verbraucher gewöhnt haben, müssen unbedingt erhalten werden.“ Die grüne EU-Abgeordnete Heide Rühle drängt derweil die EU-Kommission, den Schutz vor Täuschungen zu verbessern.

Kritik gibt es auch an falschen und fehlenden Grundpreisen. Wie hoch der Preis pro Kilo ist, müssen Hersteller und Händler immer mit angeben. Doch nicht jeder hält sich daran – auch weil es für Firmen dann einfacher ist, versteckt Preise zu erhöhen.

Ein Problem, das auch EU-Kommissar Verheugen sieht. Er fordert von Produzenten und Einzelhändlern, „auf jede Veränderung des Preis-Leistungs-Verhältnisses eindeutig zu verweisen“.