Kirchhatten - Motorsägen kreischen, das Hämmern einer Axt ist zu hören. Dann geht alles ganz schnell. Die Krone der großen Buche fängt an zu zittern, neigt sich weg von der Straße und fällt – eine schmale Schneise ziehend – krachend um. Bis zu sechs Tonnen, schätzt Revierleiter Stephan Nienaber, wiegt jeder der knapp zehn Bäume, die aus Gründen der Verkehrssicherheit geschlagen werden.
Sicherheit geht vor
Die doppelte Baumlänge ist das Maß, nach dem sich die Entscheidung richtet, was mit Bäumen, deren Standfestigkeit fraglich ist, geschieht. Obwohl die großen Buchen zusätzlich mit einem zwölf Meter langen Stahlseil abgesichert sind und von einer forstwirtschaftlichen Maschine gezogen werden, wird die Wildeshauser Straße (L872) am Dienstag immer wieder für kurze Zeit gesperrt. Erst wenn die Baumriesen liegen, darf der Verkehr wieder rollen.
Bereits am Montag haben Waldarbeiter unmittelbar am Reiherbuschweg eine Buche gefällt, die in unmittelbarer Nähe einer Trafostation zu kippen drohte. „Man wägt natürlich jedes Mal aufs Neue ab, im Zweifel geht die Sicherheit vor“, betont Nienaber. Der Revierförster betreut die zum 1. Januar 2012 neu gebildete Revierförsterei Oldenburg seit anderthalb Jahren. Mit der Pensionierung der Kollegen in Stühe (Dötlingen) und Varel wurden diese Reviere aufgelöst. Ihre Flächen sind jetzt Teil eines neuen Reviers, das vor zwei Jahren rund um die Stadt Oldenburg neu gebildet wurde, wie Rainer Städing, Regionaler Pressesprecher Niedersachsen West der Niedersächsischen Landesforsten, erklärt.
Holz ist ein nicht zu unterschätzendes Wirtschaftsgut. Auf 336 600 Hektar Landeswald betreiben die Landesforsten nach eigenen Angaben eine naturnahe Waldwirtschaft. Auf den Flächen wachsen pro Tag knapp 6000 Festmeter (fm) Holz nach, das sind pro Stunde etwa 250 fm, die nachhaltig dem Wald entnommen werden können.
Ein Jahresumsatz von rund 130 Millionen Euro und eine Nettowertschöpfung von etwa 60 Millionen Euro – damit sind die Landesforsten derzeit ein erfolgreiches Unternehmen. Wie sie selber mitteilen, wurde nach 45 Jahren erstmalig wieder ein Gewinn erwirtschaftet. Neben der betrieblichen Entwicklung gelte das Hauptaugenmerk weiterhin besonders den Leistungen im Bereich der Ökologie, der Umweltbildung und dem Erholungsraum für viele Millionen Menschen, verspricht Niedersachsens größter Waldeigentümer.
Ein Beispiel für das notwendige Abwägen der Interessen von Umwelt und Forstwirtschaft liegt direkt im Hatter Holz. Der Reiherbusch, ein 1977 auf Initiative des damaligen Hatter Revierleiters Eilert Tantzen installiertes Naturschutzgebiet, trägt den Namen, weil die damals dominierenden Kiefern den Vögeln viele Horstplätze boten. 37 Jahre später sieht die Situation ganz anders aus. Die Buchen sind im Vormarsch. Sie wachsen höher und nehmen den Konkurrenten einfach das lebensnotwendige Sonnenlicht. Nienaber deutet nach oben. „Die Buche hat auch im Alter ein dynamisches Wachstum, da kann keine Kiefer mithalten.“
Buche oder Kiefer
Gemeinsam mit Georg Schinnerer von der Unteren Naturschutzbehörde hat der Förster das Gebiet am Dienstag begutachtet. Während der Biologe noch keine endgültige Einschätzung abgeben will, fällt Nienabers Urteil eindeutig aus. „Dies hier ist ein klassischer Buchenstandort. Der Reiher findet anders als früher genügend andere Nistplätze. Wir müssen uns fragen, ob es wirklich Sinn macht, hier dauerhaft ins Kräfteverhältnis der Natur einzugreifen.“
