Budapest/Visegrad/Liptovský Mikuláš - Nach Tagen in den Großstädten des Ostens mag ich es gar nicht mehr glauben: Es gibt tatsächlich noch Regionen, die richtig wild sind. So die Niedere Tatra in der Slowakei, in die es mich heute von Budapest aus verschlagen hat. Und um Wildnis und wilde Tiere soll es tatsächlich morgen hier auch gehen.
Verkehr? Den gab es auf dem Weg kaum. Einmal sah ich eine halbe Stunde kein einziges Auto und keinen einzigen Menschen. Die Straßen durch diese Berge sind so schmal dass die rund 250 Kilometer fast fünf Stunden gedauert haben. Und trotz der Abgeschiedenheit: Technologie kann man hier. Es gab überall, auch in den düstersten Winkeln des Waldes, ein stabiles Handynetz und G4-Internetversorgung. Das ist etwas, das man von Deutschland nicht sagen kann.
Wir Deutschen bilden uns ja gern ein, das Geschenk Gottes an den technologischen und gesellschaftlichen Fortschritt zu sein. Die so genannten „Wenden“ beim Verkehr und bei der Energie kommen da mit einem missionarischen Unterton daher, der vermeintlich „gestriges“ Denken und Handeln in anderen Teilen Europas mit Naserümpfen quittiert. Doch in Wirklichkeit sind die Deutschen in so mancher Hinsicht wirklich rückständig – etwa bei der Versorgung mit mobilem Internet. Da kaufen uns die Mittel- und Osteuropäer locker den Schneid ab.
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Es zeigt sich aber auch bei Aspekten der Elektromobilität: Während in Deutschland noch die Bedenkenträger besorgt das Haupt wiegen, wenn es um die Zulassung von Elektro-Scootern geht, und die Bundesregierung tatsächlich ein Jahrzehnt (!) nach Erfindung dieser Elektro-Kleinstroller in die Puschen kommt, damit sie legal benutzt werden können, rollen diese Dinger in allen Formen bereits munter und in Größenordnungen durch Wien, Prag oder Budapest. In Wien gibt es sogar ein Verleihsystem. Man registriert sich und schnappt sich einen Roller am Straßenrand. Ist man am Ziel, bleibt er einfach stehen. Genial! Konflikte mit Fußgängern konnte ich nicht beobachten. Man hat sich arrangiert. Das deutsche Gewürge ist hingegen ein erneuter Beweis, dass auf der einen Seite viel von Technikfreundlichkeit geredet wird, wenn es aber darauf ankommt, wirklich nützliche Technologien auch zu nutzen, die Dinge im Argen liegen.
Zur E-Scooter-Diskussion in Deutschland: "Ist auf dem Gehweg bald die Hölle los"?
Freier Blick fürs Auge in Ungarn: Ein windiger Höhenzug an der Donau bei Visegrad - und kein einziges Windrad, (Foto: Will)
