Budapest - Nicht London, nicht die Themse sondern Budapest und die Donau zeigt das Bild. Das beeindruckende ungarische Parlament, ein Bau aus dem 19. Jahrhundert, erinnert dennoch irgendwie an die britische Hauptstadt. Von Wien aus sind es etwas mehr als drei Stunden mit dem Auto, wenn man es ruhig angehen lässt. Das fällt nicht schwer: Sowohl in Österreich als auch in Ungarn gilt auf Autobahnen ein Tempolimit von 130 Kilometern in der Stunden. Und in der Tat: Die Leute fahren hier entspannter, die Lichthupe im Rückspiegel und irre Spurwechsel mit 200 habe ich nicht erlebt. Da könnte Deutschland durchaus etwas lernen.
Ungarn ist heute der böse Bube in der Europäischen Union. Premier Viktor Orban gilt in Brüssel und vielen in Berlin als jemand, dem nicht über den Weg zu trauen ist, als einer vom Stamme Nimm, der die Rosinen aus der europäischen Integration pickt, aber die Lasten nicht schultern will und zudem ein zweifelhaftes Demokratieverständnis hat. Stichwort Einwanderung. Stichwort Pressefreiheit. Was es damit auf sich hat, versuche ich in diesen (durchaus knappen) zwei Tagen zu verstehen.
Jan Mainka in Budapest. (Foto: Will)
Heute hat sich die Zielgruppe gewandelt. Es seien die „modernen Expatriates“, sagt Jan Mainka, der Berliner mit ostdeutschen Wurzeln, also jene Deutschen oder Österreicher, die für einige Jahre von ihren Firmen nach Ungarn geschickt werden, und die Sprache nicht können. Das sind mehr als man für möglich halten sollte, haben doch etwa Bosch, Audi oder Mercedes-Benz große Werke im Land, deren Management häufig aus eben solchen „Expats“ besteht. Aber es gibt noch andere: Diplomaten etwa. Oder deutschsprachige Studenten, die Budapest zunehmend schätzen. Zudem sei Ungarn ein Land geworden, das deutsche Rentner anzieht, sagt Mainka. Das günstige Leben gepaart mit hoher Lebensqualität sei der Grund. Davon kann die Zeitung leben. Das beweist die „Budapester Zeitung“ inzwischen seit 20 Jahren. In diesem Jahr wird Jubiläum gefeiert. Das Unternehmen kann man damit durchaus als ein Kind des neuen Europa bezeichnen. Da lebt etwas wieder auf, das es so ähnlich schon einmal gab – nur eben auf einer ganz neuen Basis.
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Nun ist Mainkas Zeitung gewiss kein anspruchsloses Anzeigen- und Verlautbarungsblatt. Hier geht es auch politisch zur Sache, wenn der Chefredakteur auch strikt auf Ausgewogenheit der Standpunkte achtet. Wie steht es also mit dem politischen Einfluss der ungarischen Regierung auf die „Budapester Zeitung“ und den Rest der Medienlandschaft in Ungarn? Was Mainka dazu und zu den politischen Zuständen im Land zu sagen hat, war für mich hoch spannend. Der Teufel, so scheint es einmal mehr, wird oft schwärzer gemalt als er eigentlich ist. Die Einzelheiten? Demnächst in der NWZ!
Morgen habe ich eine Verabredung in der Central European University, die maßgeblich von dem liberalen Milliardär George Soros finanziert wird. Dort sieht man sich von der ungarischen Regierung massiv unter Druck gesetzt und denkt inzwischen ernsthaft darüber nach, die Universität aus Budapest nach Wien zu verlegen. Das verspricht aus einem anderen Winkel eine weitere Perspektive auf die politischen Verhältnisse in Ungarn zu liefern.
