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NWZonline.de Nachrichten Politik

Bürger auf Verbrecherjagd

30.01.2014

Morelia Die Tinte unter dem „Pakt von Tepeque“ ist noch nicht ganz trocken, da demonstrieren die Bürgerwehren schon ihr neues Selbstbewusstsein. „Jetzt nehmen wir Apatzingán und die anderen Ortschaften ein“, sagen die Kommandeure nach Vertragsschluss. „Wir integrieren uns in die ländlichen Selbstverteidigungskräfte, aber wir werden niemals unsere Waffen abgeben“, diktieren sie mit breiter Brust den Reportern in den Block.

Fast ein Jahr nach ihrem bewaffneten Aufstand gegen das pseudo-religiöse Drogenkartell „Caballeros Templarios“ (Tempelritter) haben die Bürgerwehren im Bundesstaat Michoacán im Westen des Landes den Schritt in die Legalität gemacht. Ihre Mitglieder werden zunächst in ländlichen Polizeieinheiten zusammengefasst und unter staatliche Kontrolle gestellt, wie es in dem Abkommen zwischen der Regierung und den „Autodefensas“ heißt. Unter bestimmten Voraussetzungen könnten sie später in der Polizei aufgehen.

Mit dem Vertrag erreicht die Geschichte der Bürgerwehren in Michoacán ihren vorläufigen Höhepunkt. Als die Tempelritter den Bauern und Geschäftsleuten immer höhere Schutzgelder abpressten, griffen sie im vergangenen Februar zu den Waffen.

Jetzt sind die Bürgerwehren dort angekommen, wo sie sich selbst schon immer gesehen haben: Seite an Seite mit den staatlichen Sicherheitskräften. „Jetzt bringen wir den Frieden und die Ruhe nach Michoacán zurück“, sagt der Chef der Bürgerwehr der Ortschaft La Ruana, Hipólito Mora. Am Dienstag rückten seine Männer in die Kreisstadt Los Reyes ein.

Die offizielle Anerkennung der schwer bewaffneten Privatarmee birgt jedoch auch Risiken. „Es besteht die Gefahr, dass die Bürgerwehren sich als paramilitärische Gruppen etablieren, wie dies in der Vergangenheit in Kolumbien, Guatemala und Peru zu beobachten war“, heißt es in der jüngsten Analyse des Nachrichtenportals Insight Crime. Dort waren Selbstverteidigungsgruppen in schwere Menschenrechtsverletzungen verwickelt, oft wohl zumindest mit staatlicher Duldung.

Zunächst überwiegt in der Region Tierra Caliente allerdings die Hoffnung auf ein baldiges Ende des blutigen Konflikts. „Wir wünschen uns, dass mit der Präsenz der Bundespolizei und der legalen Bürgerwehren jetzt die Ruhe zurückkehrt“, sagt der Bauer José Juan aus Apatzingán.

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