Friesoythe - Vor rund einem Jahr startete Sven Stratman das Projekt „Bürgermeisterwahl“. Seit einem halben Jahr ist er nun als erster Sozialdemokrat in der Geschichte Bürgermeister der Stadt Friesoythe. „In den sechs Monaten als Bürgermeister habe ich gemerkt, wo unsere Stadt Potenziale hat, was machbar ist, aber auch, wo Aufmerksamkeit und Vorsicht geboten sind“, sagte Stratmann. Jetzt sei es an der Zeit, sich klar zu positionieren, dachte sich der neue Verwaltungschef und stellte am Donnerstag in einem Gespräch mit der NWZ seine Ziele vor. Diese seien nach wie vor die gleichen wie vor der Wahl, doch „natürlich haben sich auch tagesaktuelle Themen in den Vordergrund geschoben, auf die es zu reagieren gilt“. Gemeint haben könnte er damit unter anderem die zahlreichen Anfragen und Anträge der beiden Stadtratsfraktionen CDU und SPD, die derzeit auf die Stadtverwaltung niederprasseln (die NWZ berichtete).
Auf 22 Seiten hat er seine Vorstellungen und Ziele definiert. In erster Linie seien dies Ausführungen, an denen er sich auch in ein paar Jahren noch messen lassen möchte, betonte Stratmann. Zum anderen sei es auch ein Leitfaden, der seinen Mitarbeitern im Rathaus aufzeigen soll, welchen Weg ihr neuer Chef gehen möchte. Die Ziele sind vielfältig und reichen von dem Wunsch von mehr Bürgerbeteiligung über das Bekenntnis zur Wirtschaft und Landwirtschaft bis hin zur Attraktivierung der Innenstadt.
Hier ein paar Beispiele: So gehören auch Kindergärten zum engeren Blickfeld des Bürgermeisters. „Hier ist in der Vergangenheit viel versäumt worden“, sagte Stratmann. Der Bedarf an Betreuungsplätzen – vor allem direkt in der Stadt – sei groß. Bei einer entsprechenden Förderung durch das Land könne er sich durchaus den Bau einer zusätzlichen Einrichtung vorstellen. Auch über flexible Öffnungszeiten – etwa von 7 bis 19 Uhr – müsse nachgedacht werden.
Mit Blick auf elf Grundschulen im Stadtgebiet sagte der Bürgermeister, dass man in Zukunft „nicht alle Standorte halten kann“. Masse sei nicht gleich Klasse. In einem ersten Schritt gelte es aber derzeit, die katholische Marienschule in Friesoythe in einen Ganztagsbetrieb zu überführen und dessen Konfessionsgebundenheit intensiv zu überdenken. In weiteren Schritten könnten die Grundschule Gehlenberg und die Gerbertschule Ganztagsschulen werden.
Eine Absage erteilt er dem Endausbau der Entlastungsstraße. Erst vor wenigen Tagen sei bei der Stadt nämlich eine Absage des Landes bezüglich Fördermitteln eingegangen. „Und aus eigenen Mitteln können wir keine 2,5 Millionen Euro aufbringen.“
Ein wichtiges Thema sei auch die Unterbringung von Flüchtlingen. Es seien erst 16 von 76 Flüchtlingen in Frie-soythe angekommen. Mindestens 60 werden also noch erwartet. „Derzeit steht uns aber nur Wohnraum für 18 Personen zur Verfügung“, so der Bürgermeister. Hier sei die Verwaltung aber „ständig am Ball“.
