Man kann davon ausgehen, dass Horst Köhler das Amt als Bundespräsident gefällt, und dass er sich durchaus vorstellen kann, es weitere fünf Jahre auszuüben. Unterstützung erhält der Bundespräsident dabei in breiten Teilen der Bevölkerung.

Es gibt auch kaum einen Grund für den früheren Finanzfachmann, der gegen eine zweite Amtsperiode sprechen würde. Der Hausherr in Schloss Bellevue ist beliebt bei den Deutschen, drei von vier Bundesbürgern wollen seine Wiederwahl. Seine Amtsführung – hier demonstrative Volksnähe, dort Nachdenklichkeit und Reformappelle – kommt an.

Auch wenn es im wechselseitigen Verhältnis durchaus Spannungen gegeben hat: Für Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Union spricht nichts dafür, Horst Köhler die Unterstützung dieses Mal zu versagen. So sind auch die Debatten der letzten Tage zu verstehen: Der geschlossenen Unterstützung aus CDU und CSU kann sich Horst Köhler gewiss sein, was auch für die der FDP gilt.

Und Kurt Becks SPD? Das politische Risiko, einen eigenen Kandidaten gegen den populären Horst Köhler ins Rennen zu schicken, ist hoch. Mit seinem Vorpreschen für Köhler hat FDP-Chef Guido Westerwelle dem SPD-Vorsitzenden Beck eine taktische Option genommen. Der hätte nämlich einen Kandidaten aus den Reihen der Liberalen vorschlagen können, auch um Ampel-Ambitionen der SPD für den Bund zu untermauern.

Nun, da diese Variante ausgeschlossen zu sein scheint, bliebe für die SPD nur noch ein Kandidat, der im Schulterschluss mit den Grünen und Oskar Lafontaines Linken gewählt würde. Das jedoch wäre ein klarer Beleg, dass Kurt Beck es mit seinem Bekenntnis, mit der Linken auf Bundesebene keinesfalls zusammenzuarbeiten, so ernst nicht meinen kann.

Nach der Bauchlandung von Hessen scheint der SPD-Vorsitzende erst einmal kein weiteres Risiko eingehen zu wollen.

Anders ist Becks jüngstes Lob für Horst Köhler und dessen Amtsführung kaum zu verstehen.

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