Marseille - Bundespräsident Joachim Gauck sieht Deutschland nicht auf dem Weg zu einer Vormachtstellung in Europa. Zum Abschluss seines Staatsbesuches in Frankreich betonte Gauck am Donnerstag in Marseille: „Deutschland strebt keine Dominanz an.“

„Niemand in Deutschland träumt davon, Europa zu führen“, sagte Gauck im Gespräch mit deutschen und französischen Jugendlichen. Wenn die „schmerzhaften Reformen“ der Agenda 2010 als Beispiel angeführt würden, dann sei dies keine Anmaßung, sondern eher ein Vorschlag für andere Länder.

Gauck gab zu erkennen, dass er für mehr finanzpolitische Koordination in der Europäischen Union eintritt. Europa werde in der globalisierten Welt nur gemeinsam wahrgenommen. „Wenn wir ernst genommen werden wollen, brauchen wir Europa.“

Die Geste deutsch-französischer Versöhnung von Gauck und Präsident François Hollande in Oradour-sur-Glane am Vortag stieß in Frankreich auf viel Zustimmung. Beide Politiker hatten sich Hand in Hand das Massaker schildern lassen, bei dem Soldaten der Waffen-SS 1944 mehr als 600 Franzosen ermordeten. Selbst der Élysée-Palast gestaltete seinen Twitter-Konto neu. Die präsidiale Startseite des Kurznachrichtendienstes rückte das Motiv einer sehr innigen Umarmung der beiden Staatsspitzen ins Zentrum.

Zum Abschluss seines dreitägigen Staatsbesuchs in Frankreich war Gauck in der Kulturhauptstadt Marseille auch im neuen Museum für Zivilisationen Europas. Die Reise Gaucks war der erste Staatsbesuch eines Bundespräsidenten in Frankreich seit 17 Jahren.