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NWZonline.de Nachrichten Politik

Bundeswehr kämpft um Cyber-Soldaten

04.04.2017

Berlin Eine schlagkräftige Cyberarmee erfordert nach Einschätzung des Verteidigungsministeriums ein radikales Umdenken bei der Personalsuche der Bundeswehr. Die Regeln etwa für die Cyberreserve müssten geändert werden, sagte die Staatssekretärin im Ministerium, Katrin Suder, am Montag bei einer Veranstaltung zur Cybersicherheit in Berlin. Es gebe viele Nerds, die ihr Studium abbrechen würden. Mittlerweile dürften sie in der Truppe auch mit abgebrochenem Studium bestimmte höhere Laufbahnen einschlagen.

Auch der Fitnessgrad der Bewerber müsste bei der Einstellung überdacht werden. „Denn es ist was anderes, wenn ich das Ganze quasi mit dem Mausklick mache, als wenn ich als Pionier Brücken verlege.“

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) stellt an diesem Mittwoch die neue Cyberarmee der Bundeswehr in den Dienst. Der militärischen Organisationseinheit sollen etwa 13.500 Soldaten und zivile Mitarbeiter angehören.

Die Bundeswehr sucht bereits seit längerem für den Cyberraum händeringend IT-Fachkräfte. Die Bundeswehr mache bei der Personalsuche Fortschritte, sagte Suder: Bereits 2016 seien 60 Prozent mehr Informatiker eingestellt worden als im Vorjahr.

Bei Personal und Innovationsgeschwindigkeit würden im Cyberbereich völlig neue Regeln für die Truppe gelten. „Das sind ja keine Innovationszyklen mehr, wie wir sie vom Eurofighter her kennen.“ Im Gegensatz zu schweren Waffensystemen seien die Zyklen viel schneller. Mit einem „Cyber Innovation Hub“ - ein Pilotprojekt über drei Jahre für rund 25 Millionen Euro - sucht die schwerfällige Truppe nun den Kontakt zur agilen Start-up-Szene, um technisch nicht abgehängt zu werden. „Weil wir versuchen wollen, in das Ökosystem reinzukommen.“

Die Informatiker-Armee soll künftig Waffensysteme und Computernetze der Bundeswehr schützen, aber auch zu Angriffen in der Lage sein. Sie könnte etwa in einem Auslandseinsatz das Internet überwachen, die Kommunikationskanäle des Gegners stören, um ihn zu isolieren, sagte Suder. Cyberangriffe unterlägen denselben Regeln wie andere Einsätze der Truppe. Das Internet sei kein rechtsfreier Raum.

Die neue Cyberarmee sei dringend nötig. Suder berichtete von Tausenden Angriffen auf die Netze der Bundeswehr jeden Tag. „Es ist keinerlei Science-Fiction mehr, sondern bittere Realität“, sagte die Staatssekretärin. „Wenn man IT, Digitalisierung und damit eben auch Schutz hinkriegen will, muss man IT-Architektur aus einer Hand designen und zukunftssicher und fest machen und auch gegen Attacken schützen.“ Die Bundeswehr könnte in dem Bereich eine Vorreiterrolle in Europa einnehmen.

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