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Kommunalpolitik „Ich leiste mir gern eine eigene Meinung“

CäCILIENGRODEN - Noch ein einziges Mal geht Erich Janßen als gewählter Volksvertreter ins Rathaus der Gemeinde Sande. Große Entscheidungen muss er nicht mehr treffen. Nun sind Jüngere am Zug. „Ich betrachte meine Arbeit als erledigt“, sagt der 71-Jährige SPD-Kommunalpolitiker aus Cäciliengroden vor seiner letzten Ratssitzung am nächsten Donnerstag, 13. Oktober. Drei Wochen später konstituiert sich der neue Sander Gemeinderat. Ohne Janßen – er trat aus Altersgründen bei der Kommunalwahl nicht mehr an.

Viele Ämter und Funktionen

43 Jahre lang war Erich Janßen ununterbrochen im Sander Gemeinderat tätig, war 20 Jahre lang SPD-Fraktionsvorsitzender und zehn Jahre lang stellvertretender Bürgermeister. Bis 2001 gehörte er zudem auch fast 30 Jahre lang dem Kreistag an. Und Erich Janßen gehörte zu jenem überschaubaren Kreis von Kommunalpolitikern, die immer etwas zu sagen hatten und Diskussionen anregten, die Bedenken anmeldeten, die auch mal aneckten. „Ich leiste mir eben gern eine eigene Meinung“, sagt Janßen. Nun will er sich vor allem Zeit für sich leisten und mit seiner Lebensgefährtin Renate Herde, die ebenfalls aus dem Sander Rat ausscheidet, das Haus am Deich genießen und mit dem Wohnwagen reisen.

Der Weg in die SPD war für den gelernten Modellbauer, der Gussstücke in der Gießerei Sande anfertigte und später am Schulzentrum am Falkenweg als Werklehrer tätig war, vorgezeichnet. Die Eltern waren Mitglied der SPD und als junger Arbeiter in der Gießerei gehörte es zum guten Ton, sich der Gewerkschaft anzuschließen. Erich Janßen wurde Mitglied des Betriebsrates, trat 1964 in die SPD ein und hatte von Anfang an auch politische Verantwortung übernommen. Zunächst als Vorsitzender des Ortsvereins Cäciliengroden, später auch in Sande, nachdem beide Ortsvereine verschmolzen waren. Janßen war 27 Jahre alt, als er in bundespolitisch unruhigen Zeiten 1968 erstmals in den Gemeinderat einzog und vom ersten Tag an bis heute mit absoluter SPD-Mehrheit Sande aktiv gestalten konnte. Oppositionsarbeit im Rat hat Janßen nie kennengelernt. „Die Bürger haben uns immer vertraut, dass wir es besser können“, sagt Janßen.

Sein großes Interesse galt stets der Finanzpolitik und der baulichen Gestaltung der Gemeinde. Der Bau, Ausbau oder Erhalt von Straßen und Wegen, der Schutz alter Sander Bausubstanz, die Dorferneuerungsprogramme – das waren jahrzehntelang Janßen Baustellen. „Da konnte ich mich einbringen und aufregen.“ Soziale Themen lagen ihm dagegen fern: „Das habe ich lieber anderen überlassen“, räumt er ein.

Als Janßen 1968 in den Rat einzog, ging es zunächst darum, die Grundvoraussetzungen für eine funktionierende Gemeinde zu schaffen. So gab es noch keine Müllabfuhr im Ort; einfache Fuhrwerke fuhren den Dreck weg. Gegen den Widerstand der Opposition wurde Sande mit Millionenaufwand und Geldern des Landes nach und nach kanalisiert und ein Klärwerk gebaut. Großes Thema in den 1960-und 70er Jahren war das Sander Wohnungsbauprogramm, nachdem die Flüchtlingsbaracken beseitigt worden waren. Anfang der 1970-er Jahre kamen die großen Gebietsänderungsverträge. „Gödens fiel an Sande und auf einmal hatte die Gemeinde ein Schloss“, sagt Erich Janßen.

Streit um richtigen Weg

An vielen Entscheidungen, die in den vergangenen fast viereinhalb Jahrzehnten in und für Sande getroffen wurden, hat Erich Janßen großen Anteil. Ging es in den ersten Jahren seiner Ratsarbeit noch richtig zur Sache, weil Mehrheit und Opposition über grundsätzliche politische Ziele stritten, wird heute kaum noch über Ziele, sondern über den richtigen Weg dorthin gestritten.

Auch wenn sich Erich Janßen nun aus der Kommunalpolitik zurückzieht : „Ich bleibe ein politischer Mensch und interessiere mich für Sande“, sagt er, „aber ich mische mich jetzt nicht mehr ein.“

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever
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