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NWZonline.de Nachrichten Politik

Machtkampf spitzt sich dramatisch zu

02.05.2019

Caracas „Nerven aus Stahl“ bescheinigt sich Venezuelas Präsident Nicolás Maduro, andere würden sagen: Der ehemalige Busfahrer hat ordentlich Sitzfleisch. Die USA haben seinen engsten Führungszirkel mit harten Sanktionen belegt, die Wirtschaft des einst reichen Erdöllandes liegt am Boden, seit 100 Tagen macht ihm der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó den Posten streitig. Doch Maduro hält sich.

Selbst eine Meuterei einiger Soldaten sitzt der Staatschef einfach aus. Nachdem klar ist, dass der Großteil der Streitkräfte ihm weiterhin die Treue hält, erklärt Maduro am Mittwoch die Rebellion für gescheitert. „Ich danke euch für eure entschlossene, loyale und mutige Haltung, mit der ihr die kleine Gruppe zerschlagen habt, die Venezuela mit Gewalt überziehen wollte“, sagt er der Militärführung bei einer im Fernsehen übertragenen Kabinettssitzung.

Sein Widersacher Guaidó hat sich mit dem Coup nahe dem Luftwaffenstützpunkt La Carlota weit aus dem Fenster gelehnt. Seitdem er sich am 23. Januar zum Interimspräsidenten ernannt hat, organisiert der junge Parlamentspräsident Demonstrationen, wirbt im Ausland für die Anerkennung seiner Gegenregierung und entwirft Pläne für die Zeit nach Maduro. Im Gegensatz zu den radikaleren Kreisen der venezolanischen Opposition setzt er auf friedlichen Protest.

Maduro ließ ihn bislang weitgehend gewähren, doch mit der offenen Meuterei der Soldaten und der Befreiung des Oppositionsführers Leopoldo López könnte Guaidó den Bogen überspannt haben. Jetzt ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft gegen die Drahtzieher der Rebellion. „Es darf keine Straflosigkeit geben“, sagt Maduro. „Diese Verräter werden ihr Schicksal noch kennen lernen.“

Mit seinem Husarenstück von Caracas setzt Guaidó seinen Gegenspieler unter Druck und zwingt ihn zum Handeln. „Wenn er Guaidó festnehmen lässt, riskiert er eine starke Reaktion der USA“, schreibt Giancarlo Morelli vom Analyseunternehmen Economist Intelligence Unit auf Twitter. „Lässt er ihn nicht festnehmen, würde er vor seinen Verbündeten und Unterstützern unglaublich schwach dastehen.“

Klar ist: Guaidó ist es nicht gelungen, nennenswerte Teile der Streitkräfte auf seine Seite zu ziehen. Das Militär gilt aber als der entscheidende Faktor im Machtpoker von Caracas.

Vor allem die Führungsriege hat bislang wenig Interesse an einem Personalwechsel im Präsidentenpalast Miraflores. Ranghohe Militärs sitzen an den wichtigen Schaltstellen der Macht, kontrollieren das Ölgeschäft, den Import von Lebensmitteln, Banken und Bergbaufirmen. Große Teile der Gewinne dürften in den Taschen der Generäle verschwinden. Viele Offiziere sollen zudem in kriminelle Geschäfte verwickelt sein. Maduro lässt sie gewähren, solange sie treu zu seiner Regierung stehen.

Unter den einfachen Soldaten dürfte hingegen große Unzufriedenheit herrschen. Sie leiden genauso wie der Rest der Bevölkerung unter den ständigen Stromausfällen, dem Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten, der täglichen Gewalt.

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