Gratulationen, Glückwünsche, Gesprächsangebote – die neue Vorsitzende des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch, wurde am Tag ihrer Wahl von Politikern und Kirchen artig beglückwünscht. Der warme Empfang in der neuen Funktion kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihr neues Ehrenamt Konflikte und Konfrontationen mit sich bringen wird – sowohl nach innen als auch nach außen.

In den jüdischen Gemeinden Deutschlands mit inzwischen wieder mehr als 100 000 Mitgliedern stammen inzwischen mehr als 80 Prozent aus Osteuropa – oft ohne Sprachkenntnisse, Arbeit und in Jahren der Verfolgung der religiösen Identität beraubt. Die Integration in das jüdische Gemeindeleben und damit auch in die deutsche Gesellschaft gehört zu den Herkulesaufgaben, die auf die neue Präsidentin warten. Gleichzeitig ist der Zentralrat mahnende Stimme und moralische Instanz in der Republik. Vorgänger im Amt wie Heinz Galinski, Ignatz Bubis und eben Paul Spiegel haben Maßstäbe gesetzt und waren dabei auch für die Regierenden oft unbequem.

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